Online: 28.06.2016 - ePaper: 29.06.2016

Tierschützer - zu kurz gegriffen

Btrifft: Artikel "Stallbau durch die Hintertür?" (EJZ vom 20. Juni)

Die "IgiT e.V. ­- Initiative gegen industrielle Tierhaltung" wird häufig als "die Tierschützer" und "Tierschutzinitiative" bezeichnet, zuletzt im EJZ-Artikel über die Kritik der IgiT am Vorgehen bezüglich der Teplinger Mastanlage. Das ist nicht falsch, aber viel zu kurz gegriffen. Wer sich gegen industrielle Tierhaltung engagiert, dem geht es um die gesamte Umwelt: Boden, Wasser, Luft, Pflanzen, Tiere und Menschen. Es geht um unsere Lebensgrundlagen, die durch industrielle Geflügelhaltung Schaden nehmen: Überzüchtete Tiere ohne Sättigungsgefühl werden schnellstmöglich gemästet, mit Futter, das unter massivem Pestizideinsatz von Megakonzernen in Ländern angebaut wird, in denen die Landbevölkerung hungern muss. Der Fleischüberschuss wird in solche Länder exportiert und zerstört die dortigen kleinbäuerlichen Strukturen. Die Gülle, also das Einstreu-Kot-Gemisch, wird mitsamt Keimen und Medikamentenrückständen auf Felder ausgebracht und verschmutzt das Grundwasser mit Nitraten. Jährlich sterben 700000 Menschen weltweit durch resistente Keime. Britische Forscher prognostizieren eine Verzehnfachung bis 2050. Man könnte viele Beispiele bringen, wie die industrielle Tierhaltung unsere Lebensgrundlagen gefährdet. Das ist in den Medien allgegenwärtig. Mit diesen Dingen beschäftigt sich die IgiT, nicht nur mit dem Tierschutz.

Ist Fleisch in Massen wichtiger als der Schutz der Lebensgrundlagen? Dieses "Augen zu und weiter wie bisher" hat fatale Folgen, und immer mehr Menschen erkennen das: "Die Agrarindustrie mit ihrer Verschmutzung des Bodens ist kein nachhaltiges System. Wir brauchen eine Agrarwende. Wir wollen die Kosten der Agrarindustrie transparent machen und erreichen, dass es keine Zuschüsse mehr für eine umweltverschmutzende Landwirtschaft gibt. Die ganze Agrarförderung muss umgestellt werden hin zu einer ökologischen Bewirtschaftung." Nein, das ist kein Zitat des grünen Landwirtschaftsministers Christian Meyer. Es ist ein Zitat von Martin Weyand, dem Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft und damit dem obersten Interessenvertreter der deutschen Wasserversorger.↔Maren Ramm,

↔Dannenberg, IgiT e.V.

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