Online: 28.06.2016 - ePaper: 29.06.2016

Von leeren Worten eingefangen

Betrifft: "Keine Ranger für die Elbtalaue" (EJZ vom 14. Juni)

Wenn Niedersachsen die Schutzgebiete nach eigenen Gesetzen nicht sachgerecht betreiben kann, sollte es die Segel streichen. Das Problem liegt tiefer. Es ist blauäugig von SG-Bürgermeister Jürgen Meyer zu glauben, dass ein paar Ranger die Versäumnisse der letzten 15 Jahre richten. Polizeireiter empfinde ich schlicht als Frechheit. Nimmt man diese (4), die Verwaltung (14) und den Beirat (20), haben wir 38 Personen, die uns belehren, was wir nicht dürfen. Schon beim Lesen der Gesetzesentwürfe haben wir Bewohner und Anlieger - "eine gemeinsame nachhaltige Entwicklung von Natur, Mensch und Wirtschaft" - als leere Worte angesehen, in denen die Bevölkerung eingefangen werden sollte. Viele Beispiele zeigen (Brückentrasse Neu Darchau, Hochwasserschutz, Deichbau, Radwege im Reservat), dass wir recht behielten: Nur der Naturschutz hat Vorrang. So sieht es die 14-köpfige, steuerfinanzierte Biosphärenratsverwaltung (BRV). Wirtschaftliche Entwicklung und andere im Gesetz verankerte Ziele gehören laut deren Internetauftritt nicht zu ihren Aufgaben. Unterstützt wird die BRV vom 20-köpfigen Beirat, der per Verordnung verpflichtet ist, die Ziele der BRV - oft kritiklos - abzusegnen und die Zertifizierung von Partnerbetrieben durchzuführen. O-Ton eines Betreibers: "Trotzdem noch keinen Kaffee zusätzlich verkauft". Das ist nicht die vielzitierte wirtschaftliche Entwicklung der Region. Touristen wollen direkt vor Ort etwas sehen, erleben und nicht nur in der Ferne vorbeiradeln. Das Land steht in der Pflicht, seine eigenen, gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Wirtschaft, Tourismus und Hochwasserschutz - dem Naturschutz gleichrangig - umzusetzen. Sonst ist das Biosphärenreservat in diesem ohnehin schon strukturschwachen Landkreis weiter ein Hemmschuh. Zu bezweifeln ist auch, dass die Unesco ihre Anerkennung aufrechterhalten kann, sofern sie streng nach eigenen Kriterien die Entwicklung in der Region prüft.

↔Günter Hölzer, Schutschur

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