Online: 15.07.2016 - ePaper: 16.07.2016

Marmor, Stein und Eisen bricht

Betrifft: Berichte über Endlagerkommission (EJZ vom 29. und 30. Juni sowie 1. und 2. Juli)

"Marmor, Stein und Eisen bricht, …" - Das wusste Drafi Deutscher 1965 schon. Und die wendländischen Anti-Gorleben-Aktivisten hocken noch immer auf ihrem unterirdischen Salzberg in der vagen Hoffnung, dass er in den nächsten Jahrhunderttausenden von einem imaginären Gletscher verformt werden könnte.

Dass aber innerhalb des von ihnen geforderten Sicherheitszeitraums von einer Million Jahren die Erdkruste ohnehin nicht stillhalten, sondern sich unvorhersehbar bewegen wird, ist für sie unvorstellbar. Dann nämlich werden nicht nur Marmor, Stein und Eisen brechen, sondern auch andere endlagerhöffige Gesteine, zum Beispiel Granit, ganz zu schweigen von der Verformbarkeit aller Ton- und Salzvorkommen durch Gletscher und andere unerwartete Erdkräfte.

Auf die Geologie ist kein Verlass. Darum Hände weg vom Erdinnern! Wenn die Geologen uns jedoch weismachen wollen, es gäbe für die Ewigkeit sichere Erdformationen, in denen die Menschheit ihren oberirdisch erzeugten Chemie- und Nuklearabfall verwahren könne, dann müssen sie allerdings berufsethisch ziemlich sicher sein. Als Wissenschaftler wissen sie, dass man seriöse Vorhersagen nur für überschaubare Zeiträume machen kann, also gewiss nicht für eine Million Jahre. Ein überschaubarer Zeitraum sind 50 bis 100 Jahre, innerhalb derer der Klimawandel uns den Garaus gemacht haben könnte, oder - recht utopisch - eine Spanne von 500 Jahren, an deren Ende die Menschheit schon nicht mehr existieren wird. Die Geologen sind folglich immer auf der sicheren Seite. Weil das so ist, sollten wir auf ihren Rat verzichten.

Die Anti-Atom-Lobbyisten müssten allerdings von ihrer lahmen Anti-Gorleben-Rosinante herunter- und in das Boot steigen, in dem wir ohnehin alle sitzen - ob Kernenergie-Befürworter oder -gegner -, und gemeinsam und ohne das unerträgliche alleinige Rechthaben-wollen mit nachdenken, wie wir der Probleme auch ohne Geologie Herr werden könnten. Die Intelligenteren und vor allem Klügeren unter uns denken darüber schon seit längerem nach. Man braucht nur in der ZEIT Nr. 13 vom 26. März 2015 nachzulesen. Marmor, Stein und Eisen bricht - aber unsere Liebe zum Leben und zu den Menschen nicht.

↔Horst Kühn,

↔Jeetzel

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