Online: 15.07.2016 - ePaper: 16.07.2016

Israelischer Verstoß gegen internationales Recht

Betrifft: Artikel "Wirklich gewaltfrei?" (EJZ vom 2. Juli)

Eine Sternstunde des Journalismus war der Artikel nicht. Vielleicht waren es gar keine unangenehmen Fragen, die der Verfasser gestellt hat. Vielleicht war er ja nur selbst unangenehm. Allein die verkürzte Darstellung der "Gaza Freedom Flotilla" lässt mich vermuten, dass der Autor über eine gehörige Portion Halbwissen verfügt oder doch einige Fakten (bewusst?) unterschlägt. An dieser Aktion nahmen im Mai 2010 663 Menschen aus 37 Staaten teil. Darunter waren Prominente wie Henning Mankell, Vertreter des IPPNW, des Europaparlaments und natürlich auch türkische Aktivisten.

Die sechs beteiligten Schiffe liefen unter anderem unter US-amerikanischer, griechischer, türkischer und schwedischer Flagge. Diese Schiffe wurden in internationalen Gewässern von israelischen Marine-Soldaten gekapert und dabei neun türkische Teilnehmer erschossen. Fünf von ihnen durch Schüsse in den Hinterkopf oder den Rücken aus einer Distanz von weniger als 45 cm. Waffen hatten die Besatzungen und Passagiere der Schiffe nicht dabei. Ein Bericht von fünf UN-Rechtsexperten stellte anschließend fest, dass die Seeblockade als Bestandteil der kompletten Blockade des Gazastreifens zu betrachten und als kollektive Bestrafung der Bevölkerung zu bewerten sei und damit gegen internationales Recht verstoße. Somit gab es keinerlei Legitimation der israelischen Regierung für diese Piraterie auf hoher See.

Wenn ich also von jemandem befragt werde, der solche Dinge verneint, verdreht, unterschlägt, dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass - egal was ich äußere - unvollständig, verdreht oder falsch wiedergegeben wird. Daher finde ich die Verweigerung eines Interviews von Jochen Neumann nur konsequent. Dass der Journalist dann die beleidigte Leberwurst spielt, ist eine Sache, dass die Redaktion das mitträgt, eine ganz andere.

↔Willy Hardes,

↔Braasche

Anmerkung der Redaktion: Die Aktion gegen die "Gaza-Flotilla" wurde von Rechtsexperten unter anderem der Harvard Law School und der Chicago Law School als dem internationalen Rechts entsprechend bewertet. Auch ein UN-Bericht bewertetet die Blockade als "legal und auf dem "Recht auf Selbstverteidigung" beruhend, so ist das im englischsprachigen Wikipedia zu lesen. Kritik ("überzogen") gibt es an der Entscheidung, an Bord zu gehen, die "nennenswerten, organisierten und gewalttätigen Angriffe" gegen die israelischen Soldaten hätten den Einsatz von Gewalt zum Selbstschutz "erfordert". Dennoch sei der Tod von neun "Flotilla"-Teilnehmern "inakzeptabel".

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