Online: 25.07.2016 - ePaper: 26.07.2016

Palästinenser unter Druck? Und Israel?

Betrifft: "Wo der größte Wunsch ein Teddybär ist" (EJZ vom 7. Juli)

Der Bericht über die Not der Kinder in den Palästinenser-Gebieten macht traurig. Sie tragen keine Schuld, sind nur Opfer. Aber wer ist für die Not der Kinder verantwortlich? Zwischen den Palästinensern und Israel gibt es eine gegenseitige Schuldzuweisung. Als Hauptkritikpunkt wird in der Welt die Siedlungspolitik von Israel wahrgenommen.

Ist die Siedlungspolitik Israels nun gerechtfertigt oder nicht? Wem gehört das Land, auf dem israelische Siedlungen gebaut werden? Man kommt nicht umhin, sich mit der Geschichte Israels auseinanderzusetzen. Etwa 1250 vor Christus wanderten die Juden von Ägypten kommend nach Kanaan ein, dem heutigen Israel. 135 nach Christus wurden die Juden vom Römischen Reich vernichtend geschlagen. Dadurch begann die Zerstreuung der Juden. In der Mitte des 19. Jahrhundert wohnten nur noch circa 10000 Menschen im Land. Davon circa 8000 Menschen in Jerusalem, inklusive Ostteil. Ein jüdischer Überrest war stets im Land präsent.

Am 29.11.1947 beschloss die UNO die Teilung Palästinas und die Landrückgabe der Urväter an die Juden. Aber lediglich 12,6 Prozent Land, von ehemals 100 Prozent des Landes der Urväter, stellte die UNO Israel zur Gründung des Staates Israel zur Verfügung. Diese geringe Landfläche sollte eine Beschwichtigung an die islamische Welt sein. War nun Friede? Nein! Eine mögliche Erklärung findet man im orthodoxen Islam. Der rechtsgelehrte Al-Mawardi (972 n. Chr. bis 1058 n. Chr.) teilte, mit Hilfe des Koran, die Welt in zwei Teile. Das Festland, das unter der Herrschaft des Islam steht, nannte Al-Mawardi Dar al-Islam (Haus des Islam).

Den Rest der Erde nannte er Dar al-Harb (Haus des Schwertes oder Krieges). Al-Mawardi macht deutlich klar, dass ein Dar-al-Islam-Land nie wieder durch Nichtmuslime beherrscht werden darf. Juden und Christen dürfen zwar als Untertanen in einem solchen Gebiet leben, aber nicht herrschen. Nun wird klar, dass es wohl gar nicht um die Frage geht, wie viel und wo Israel Land besitzen darf. Nach Islamischer Meinung darf es grundsätzlich keinen Judenstaat zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer geben. Palästina gilt seit etwa 1400 Jahren als Dar al-Islam. Die Juden wohnen seit circa 3200 Jahren im gelobten Land, im Land der Urväter.

Volker Langbehn, Lüchow

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