Online: 28.07.2016 - ePaper: 29.07.2016

Lohnzurückhaltung

Betrifft: Leserbrief "Sehnsucht nach der D-Mark" (EJZ vom 12. Juli)

Herr Busse meint, an der Börse würde Geld verbrannt. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Die Erfahrung lehrt, dass die Kurse nach dem Fallen irgendwann wieder steigen. Darf man das dann als ,,rückgängige" Verbrennung bezeichnen? Wieso nennt er allein unsere Währung politisch und beliebig vermehrbar. Gilt das etwa nicht für jede staatliche Währung? Den Begriff ,,marktwirtschaftliche Währung" gibt es übrigens nicht, dagegen sehr wohl den Wechselkursmechanismus und zwar nach wie vor zwischen den Euro-und Nicht-Euro-Ländern. Die ,,ungedeckten Kreditgelder'' führen keineswegs zu Kaufkraftverlusten, weil ja die Menge des Geldes in der Hand des Konsumenten sich nicht verändert und der Anbieter somit die Preise nicht erhöhen kann.

Missverstanden hat der Verfasser offenbar die Zusammenhänge in Sachen Griechenland. Bei national getrennten Währungen wird der Wechselkurs geändert und damit der Außenwert, wenn sich die Wirtschaftsergebnisse eines Landes im Vergleich zu den anderen stark unterschiedlich entwickeln. Um das zu vermeiden, hat man unter den Regierungen der Euroländer abgesprochen, eine Inflationsrate von etwa 2 Prozent jährlich anzustreben und die Lohn- und Gehaltsentwicklung plus jeweiligem Produktivitätsfortschritt daran auszurichten.

Einige Länder, so beispielsweise Frankreich, haben sich daran gehalten. Nicht so Deutschland. Dadurch stieg - und steigt noch immer - unser Exportüberschuss von Monat zu Monat, und das bereits seit Jahren. Die Abnehmer unserer Güter können nicht mithalten und ihr eigener Export leidet. Sie verschulden sich immer mehr.

Die Hauptursache unseres bundesdeutschen Erfolgs, wenn man es denn so bezeichnen möchte, ist die Lohnzurückhaltung in Deutschland seit Beginn dieses Jahrhunderts. Dadurch sind die sogenannten Lohnstückkosten, der wichtigste Gradmesser für den wirtschaftlichen Vergleich, bei uns bis zu 30 Prozent niedriger als beispielsweise in Frankreich. Wenn wir so weitermachen, wird es das Ende des Euros bedeuten, und unsere Währung wird zwangsläufig um 20 bis 30 Prozent aufgewertet. Die Folgen wären unter anderem ein Rückgang unseres Exports und stark steigende Arbeitslosigkeit.

↔Christian Ruhsert,

↔Hitzacker

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