Online: 28.07.2016 - ePaper: 29.07.2016

Verquast wirre Propaganda

Betrifft: Artikel "Wirklich gewaltfrei?" (EJZ vom 2. Juli)

Schon die Artikelüberschrift ließ des Weges Zustand erahnen, den Thomas Janssen damit beschritt: einen Schlammpfad. Es ging um die "Kurve" - Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion. Diese finanziert/unterstützt, laut Janssens tendenziöser Inszenierung, angeblich mehr oder weniger Terror. Frage an Janssen: Kann Denken Aua machen? Wenn ja: Tat es sehr weh? Unterm Deckmantel "Journalismus" wurde gegen die Kurve geschlammschlachtet und desinformiert, dass sich die Balken bogen. Vieles in dem Artikel war falsch, noch mehr unvollständig. Seriös sieht anders aus. Eigentlich nicht die Zeit wert und mächtig müßig, darauf zu reagieren, aber aus Mitleid dann doch.

Nebenbei: Märtyrer sind keine Selbstmordattentäter, wie der IS und Janssen falsch verbreiten, sondern standhafte Menschen, die für ihre/n Überzeugung/Glauben den Tod erlitten haben - durch andere Menschen. Manche durch "Schreibtischschattentheater".

Die israelische NGO Monitor, auf die sich Janssen unkritisch beruft, ist, so der "Spiegel", eine "ultrarechte Organisation". Janssen verharmlost diese aber als "Initiative der israelischen Zivilgesellschaft". Das sagt mehr über ihn als gewollt. Pegida meint auch eine Art zivilgesellschaftliche Initiative zu sein. Da hier nicht journalistische Sorgfaltspflicht im Vordergrund stand, sondern eine verkappte Form verquast wirrer Propaganda, bestehend aus Halbwahrheiten, Unterlassungen und Suggestionen, wäre es eigentlich ausreichend, auf seinen fast ganzseitigen Ausbruch persönlicher Empfindlichkeiten mit einem Satz zu antworten: Informationswert geht gen Null.

Ging es überhaupt darum? Janssen meinte, "unbequeme Fragen" gestellt zu haben. Dem steht eine bequeme Frage entgegen: War es gerechtfertigt, als Russen Afghanistan, Chinesen Tibet oder Deutsche Polen besetzten, sich denen und jenen zu erwehren? Womit keine Morde an Zivilisten gemeint sind.

Die Gruppe "Breaking the Silence" (Das Schweigen brechen) - die nur aus israelischen Soldat/innen besteht und über schwere Menschenrechtsverletzungen, Raub, Kriegsverbrechen, Willkür, Demütigungen, Terror gegen Zivilisten und illegales Töten der israelischen Armee in den besetzten Gebieten authentisch berichtet - hat über Erlebtes ein schockierendes Buch veröffentlicht. Im Vorwort schreibt Avi Primor, von 1993-1999 israelischer Botschafter in Deutschland: "Diese jungen Frauen und Männer wollen niemanden verleumden, sie wiederholen keinen Tratsch und Klatsch, sie verbreiten keine Gerüchte. Sie erzählen nur, was sie selbst gesehen haben oder sogar: was sie selbst getan haben." Ist es also richtig, Häuser ganzer palästinensischer Familienclans zu sprengen, weil sich ein Familienmitglied durch die israelische Besatzung und deren oben genanntes Treiben auch zum Mord treiben ließ? Vielleicht kriegt Janssen ja noch mal die Kurve, als geradewegs gewaltig im Schlamm zu enden.

↔Bodo Arndt, Gühlitz

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