Online: 29.07.2016 - ePaper: 30.07.2016

"Showwild" im Gehege

Betrifft: Artikel "Mehr Sicherheit, mehr Infos" (EJZ vom 23. Juli)

Sie kennen das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf? Großmutter, warum hast du so große Augen? Großmutter, warum hast du so große Ohren? Großmutter, warum hast du so einen großen Mund? Damit ich dich besser fressen kann!

Fressen Wölfe Menschen? Offensichtlich fressen Wölfe wildlebende Tiere wie Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Reh- und Muffelwild. Eigentlich lebt der heutige Wolf im falschen Jahrhundert. Früher gab es noch Naturwälder, heute nur noch Kulturlandschaften. Landschaften, die der moderne Mensch für sein Überleben nutzt. Und dann ist da dieses Showprojekt im "von Bernstorffer Forst": das Gartower Wildgehege. Dort soll jetzt die Anlage für ein paar Stück Rot- Dam- und Schwarzwild wolfsicher gemacht werden. Das Ganze kostet auch noch richtig Geld: 245000 Euro. Damit der Wolf nicht das "Showwild" reißt, damit private Nutztierhalter etwas über einen "wolfsicheren Zaunbau" lernen und Kinder auch in Zukunft mal in ihrem Leben einen echten Hirschen sehen können, wird jetzt richtig Geld verbuddelt. Der ganze Aufwand für ein paar Wildtiere.

Wie wäre es, wenn die Gartower Jäger Kindern mal bei einem Waldspaziergang wildlebende Tiere zeigen würden? Wie wäre es mit einem kostengünstigen Elektrozaun, um mögliche Wölfe abzuwehren? Wie wäre es, wenn man das Gartower Wolfsrudel in diesem Gatter unterbringen und damit kontrollieren und die Sicherheit für Waldbesucher und Nutztierhalter wieder herstellen würde?

Mir als Tierarzt und Jäger fällt bei diesem Showprojekt der Spruch von Guido Westerwelle ein: Wir leben in spätrömisch dekadenten Zeiten. Lassen sich im strukturschwachen Wendland 245000 Euro nicht sinnvoller ver(sch)wenden?

↔Dieter Busse,

↔Kirchgellersen

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