Online: 29.07.2016 - ePaper: 30.07.2016

Euro ist stärker als die D-Mark

Betrifft: Leserbrief "Sehnsucht nach der DM" von Dieter Busse (EJZ vom 12. Juli)

Ich würde Herrn Busse dringend raten, seine volkswirtschaftlichen Hausaufgaben zu Ende zu machen. Oder möchte er den Schaden bezahlen, den die deutsche Wirtschaft hätte, würden wir die DM wieder einführen?

Wenn die Wirtschaft mit ihren Ein- und Verkaufsgeschäften in der EU wieder mit 27 verschiedenen Währungen kalkulieren muss einschließlich der Ausgaben für Kursabsicherungsgeschäfte, dann entstehen Zusatzkosten von 20 bis 30 Mrd. Euro pro Jahr. Bundesverfassungsgericht? Das BVG hat nicht die Druckerpresse der Europäischen Zentralbank (EZB) genehmigt, sondern nur das sogenannte OMT-Programm gebilligt, in das aber bisher nicht ein einziger Euro geflossen ist. Die weltweite Schuldenmacherei billige ich genauso wenig. Die durchschnittliche Staatsverschuldung in der Euro-Zone wirkt dagegen aber wie der Gang in die Kirche.

Kaufkraftverlust? Der Euro ist stärker als die DM jemals war. Der Euro verliert durchschnittlich 1,66 Prozent pro Jahr. Zu DM-Zeiten haben wir aber mehrmals die fünfprozentige Inflationsmarke überschritten. Was heißt, die Schulden der Nachbarn bezahlen? Berlin hat beispielsweise bisher nicht einen einzigen Euro direkt nach Athen gezahlt. Allerdings haben wir rund 22 Mrd. Euro in den Rettungsschirm ESM gezahlt und haften bei einer Vollpleite Griechenlands, die kommen wird, mit etwa 80 Mrd. Euro. Die hat aber Herr Bundesfinanzminister Schäuble bereits jetzt und in Zukunft doppelt und dreifach im Sack, weil er im Zuge der Finanzkrise ab 2008 seine Staatsanleihen erheblich billiger an den Markt bringen konnte als vorher. Zinsen? Japan hat seit 25 Jahren Zinsen gegen Null und ist daran auch nicht gestorben. Leider droht dann aber der Abfall in eine Deflation. Die fatale Wirkung dieser Zinspolitik auf die Altersversorgung kann allerdings niemand leugnen. Exportgeschäfte bei Rückkehr zur DM? Die DM knallt gegenüber den anderen Währungen durch die Decke und die deutsche Wirtschaft kann wesentlich weniger verkaufen.

Wenn es um volkswirtschaftlichen Unsinn geht, dann ist es bemerkenswert, wie vor einigen Tagen Herr Ingo Rüdiger wegen seiner Aktien-Haltung angegriffen wurde. Wenn linke Weltverbesserer den Kauf von Aktien verteufeln, tun sie der Jugend keinen Gefallen. Das ist einfach nur kriminell, denn die Jugend hat nur durch Aktiensparen (kein Zocken) wegen der Nullzinspolitik die Chance, eine halbwegs renditeträchtige Altersversorgung aufzubauen.

Die Aktie wird von keiner anderen Anlage-Form im Zeitraum von 30 Jahren geschlagen, und zwar trotz der Kurseinbrüche 1987, 2000 und 2008. Allerdings bitte niemals Einzelwerte kaufen, sondern das Risiko breit streuen, beispielsweise monatlich 25 Euro in einen weltweit anlegenden Fondssparplan einzahlen. Ein Fonds, der den MSCI-World-Index abbildet, bedeutet eine Anlage in weltweit über 1600 Aktiengesellschaften aus 23 Industrieländern.

↔Jürgen Bosse, Lüchow

↔Diplom-Finanzwirt

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