Online: 05.08.2016 - ePaper: 06.08.2016

Spielen mit Geld

Betrifft: Leserbrief "Lohnzurückhaltung" von Christian Ruhsert (EJZ vom 29. Juli)

Ich möchte mich positiv auf den Leserbrief von Christian Ruhsert beziehen, in dem es heißt: "Herr Busse meint, an der Börse würde Geld verbrannt. Das ist jedoch keineswegs der Fall". Busse verwechselt die betriebswirtschaftliche Ebene (Mikro-Ökonomie) mit der volkswirtschaftlichen (Makro-Ökonomie), wie auch Frau Merkel, wenn sie den Staatshaushalt mit dem Haushalt der "schwäbischen Hausfrau" vergleicht.

An der Börse, dem Spielcasino der Wirtschaft, werden keine Werte wie in der Realwirtschaft produziert, sondern es wird mit Zahlen - sprich: Geld - gespielt. Auf der einen Seite des Spieltisches sitzt jemand mit einem Topf voll Geldscheinen, auf der anderen Seite der Spielgegner mit einem Topf voll Aktienscheinen. Bei Spieleröffnung wechseln Aktien- und Geldscheine die Seiten. Der neue Geldscheinbesitzer, vormals Aktienscheinbesitzer, verlässt zum Beispiel wohlgemut als Gewinner das Casino. Das Roulette dreht sich auf einen niedrigen Wert der Aktienbewertung. Momentan muss der neue Aktienbesitzer dies akzeptieren. In der Tat hat er jetzt einen Geldscheinverlust im Vergleich zu seinem früheren Geldbesitz zu verzeichnen. Ein Teil davon ist weg - verbrannt. Volkswirtschaftlich gesehen ist aber nichts verbrannt, sondern das Geld von der einen Tasche des Verlierers in die andere des Gewinners geschaufelt.

In Bezug auf die Lohnstück-Kosten bezieht sich Ruhsert auf die Thesen von dem Volkswirtschaftler Prof. Flassbeck, Hamburg, die er seit 2000 seinen "neoliberalen" Kollegen in zahlreichen Publikationen und Vorträgen entgegen hält. Auf der Webseite: https://makroskop.eu und https://www.youtube.com/results?search_query=Flassbeck nachzulesen und zu hören. Ich teile seine Auffassung.

↔Dr. Hans-Jörg Schlichte,

↔Hitzacker

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