Online: 05.08.2016 - ePaper: 06.08.2016

Torpedo geht nach hinten los

Betrifft: Artikel "Torpedo gegen Telekom" (EJZ vom 30. Juli)

Es ist ein Armutszeugnis, eine der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt liegt in der Versorgung mit schnellem Internet weit abgeschlagen auf hinteren Plätzen. So belegt die Bundesrepublik Deutschland Platz 25 bei der Übertragungsgeschwindigkeit, ganz abgesehen davon, vor allem in ländlichen Regionen überhaupt einen Zugang zum Internet zu bekommen. Davon können auch die Lüchow-Dannenberger ein Lied singen.

Die EJZ sorgte in diesem Zusammenhang am 29. April mit der Überschrift "Millionen für schnelle Daten" für Euphorie, die allerdings beim Lesen des Artikels auf Seite eins schnell wieder verflog. 15 Millionen will Verkehrsminister Dobrindt für den Breitbandausbau in Lüchow-Dannenberg zur Verfügung stellen. Allerdings müssen sich überhaupt erst einmal ein Betreiber finden und auch genügend, die bereit sind, sich an das Hochgeschwindigkeitsnetz anzuschließen. Beides steht in den Sternen, zumal die finanziellen Bedingungen für die Nutzer völlig unklar sind.

Die Telekom ihrerseits will zeitnah den Ausbau des schnellen Internets in einigen Regionen Lüchow-Dannenbergs vorantreiben. Das muss sie auch, denn sie bietet ihren Kunden inzwischen nur noch sogenannte Voice over IP (VoIP) Anschlüsse an, das heißt: Telefon und Internet laufen digital über das Netz. Analoge Festnetzanschlüsse sollen ab 2018 Geschichte sein. Leider fehlen hierzu bisher die technischen Voraussetzungen, um Telefonie und Internet nebeneinander störungsfrei zu betreiben. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist zu gering. Das ist jedenfalls meine leidvolle persönliche Erfahrung. Zumindest ist hiermit für einen Teil der Bewohner des Landkreises eine zeitlich absehbare Perspektive für schnelleres Internet gegeben.

Und jetzt kommt der Clou: Laut EJZ vom 30. Juli will der Landkreis gegen die Ausbaupläne der Telekom klagen, so der Landrat. Man sehe die für die eigene Breitbandoffensive notwendige Anschlussquote von 40 Prozent in Gefahr (die wohl sowieso kaum zu erreichen ist). Da fühle ich mich doch an die berühmten Schildbürger erinnert. Statt gerade für diesen strukturschwachen Landkreis und seine Bürger, vor allem aber auch Unternehmen, wichtige Strukturmaßnahmen voranzubringen, schafft es die Politik mal wieder, mangelnde Problemlösungskompetenz zu demonstrieren. Wen wundert es da, dass sich immer mehr Menschen von der Politik abwenden. Liebe Politiker, nehmt kein Geld, aber wenigstens Vernunft an und tut das, wofür ihr gewählt seid, nämlich etwas für die Bürger zu tun. Ich für meinen Teil habe keine Lust, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf schnelles Internet zu warten.

↔Ulf Bohlmann, Kolborn

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