Online: 11.08.2016 - ePaper: 12.08.2016

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Betrifft: Artikel "Freundin, Mama, Wissensvermittlerin" und "Turbulenzen im Schlachtbetrieb" (EJZ vom 29. Juli)

Zwei Artikel in der EJZ - einer über die zunehmenden Probleme im Schulbetrieb, einer über die sich verschlechternden Verhältnisse im Schlachtbetrieb Vogler. Gibt beides nicht ein klein wenig Anlass zum Nachdenken?

Hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun? Was die Lehrerin Ulrike Schenk so präzise beobachtet hat und bedauert, kann man in allen Lebensbereichen ähnlich beobachten. Man könnte ironischerweise sagen: Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage wird größer. Überall, hört man, fehlt Geld und Verantwortungsbewusstsein. Leider hat beides aber nichts miteinander zu tun. Bei den Banken sucht man Verantwortungsbewusstsein vergebens - mit Ausnahme für ihre Gewinne, und wer sich verantwortungsvoll verhalten will, darf nicht nach dem Geld schielen. Wie schön, dass es im Volksmund das geflügelte Wort vom "goldenen Mittelweg" gibt. Wohin führt er uns?

Menschen wie unsere Lehrerin, Frau Schenk, auch gerne "Idealisten" genannt, werden als Vorzeigemuster (Alibi) benutzt, wenn das Geld knapper wird und die Reglementierungen zunehmen, wie wunderbar alles trotzdem weiterlaufen kann, wenn man sich nur richtig verantwortlich fühlt und tüchtig engagiert. Alles soll besser werden und billiger: die Schule, das Fleisch, alles. Ein Loch wird mit dem anderen gestopft - Hauptsache, am System wird nichts geändert. Die Hoffnung, dass alles schon am Ende irgendwie gut wird, stirbt zuletzt.

Vorher, damit es nicht zu schnell kommt, sahnt die gesamte Medienindustrie noch reichlich mit Irrungen und Wirrungen ab. Seit dem Ende des letzten Krieges habe ich einerseits die Angst und andererseits die Gleichgültigkeit vor dem Morgen, geschweige dem Übermorgen nicht so erlebt. Anstatt das Verantwortungsbewusstsein der Menschen zu stärken, wird es immer mehr beschnitten, und unverschämt als Gewinn von Freiheit etikettiert. Weiter so?↔

Christoph Lang, Loge

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