Online: 11.08.2016 - ePaper: 12.08.2016

Brutale Eroberung

Betrifft: Leserbrief "Palästinenser unter Druck? Und Israel?" von Volker Langbehn (EJZ vom 26. Juli)

Volker Langbehn fragt in seinem Leserbrief: Wem gehört das Land, auf dem israelische Siedlungen gebaut werden? Völkerrechtlich ist diese Frage ja längst beantwortet: Es gehört eben nicht Israel. Für Herrn Langbehn stellt sich das aber anders dar: Weil das gesamte Land einmal von Juden bewohnt war, deshalb, meint er, gehört es ihnen eigentlich auch heute noch. Land der Urväter nennt er es.

Ich frage mich nun, ob er sofort seine Wohnung in Lüchow räumen würde, wenn ein Nachfahre der Wenden vor seiner Tür erschiene und darauf hinweisen würde, seine Vorfahren hätten einmal genau dort gelebt - natürlich in einer Hütte.

Die Juden seien "eingewandert" in  dieses Land, das dann dadurch zum Land der Urväter wurde.

Wenn man der Bibel, Altes Testament, glauben darf, war es eine ziemlich brutale Eroberung, weitaus weniger friedlich als ein Wandertag. Darüber muss man sich heute nicht mehr aufregen, das haben damals alle so gemacht. Aber es gab eben auch vor der Ankunft dieser Wanderer dort Menschen. Haben die auch einen geschichtlich verbrieften Anspruch, ihr früheres Land zurückzubekommen?

Wo fängt man da an? Wo hört man auf? Was ist mit den Indianern in Nordamerika, den Aborigines in Australien, den sibirischen Urvölkern? Was, wenn Nachfahren der Kelten juristisch darauf bestehen würden, dass sie einst ganz Europa besiedelt hatten? Und erst die Neandertaler… Wir in diesem Land sollten wissen, dass die Revision geschichtlich gewordener Tatsachen zu noch größerem Unrecht führen kann, als es das Zustandekommen dieser Tatsachen bedeutet. Und dass die Geschichte eine sehr anpassungsfähige Grundlage für jede Art von Anspruch ist.

Uta Helene Götz, Zeetze

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