Online: 18.08.2016 - ePaper: 19.08.2016

Eine mutige Rebellion

Zu: "Aufstand gegen Wirtschaftsweg", EJZ v. 10. August

Rebellion - da bekommt jemand etwas geschenkt und will es nicht: Ist das nicht herrlich befreiend? Da hat mal jemand nachgedacht und ist nicht gleich dem Impuls "umsonst = haben wollen" gefolgt, sondern da hat mal ein ganzes Dorf überlegt. Brauche ich den Weg wirklich? Und dann das Unfassbare: Fast jeder, ob alt oder jung, alteingesessen oder zugezogen, kommt zu dem Ergebnis: Nein, der Weg ist gut, so wie er ist.

Sicher, statt Sand mal Erde nehmen, um entstehende Löcher zuzumachen würde eventuell für die Radfahrer von Vorteil sein. Mal die Ränder ausschneiden. Aber einen drei Meter breiten befestigten Weg? Nein, auf keinen Fall. Auch jetzt: die Radfahrer fahren, die Fußgänger gehen, die Jogger genießen den Weg und auch den Reitern und den Bauern reicht der Weg so, wie er ist. Ist das nicht wunderbar, dann auch den Mut zum Nein zu haben, auch wenn es sonst wenige verstehen? Denn wenn es etwas umsonst gibt, muss man es doch nehmen - ein Narr, der es nicht tut. Ja zu dem geplanten Ausbau zu sagen, ist, als würde ich einen Fernseher geschenkt bekommen, den ich nicht brauche und die Fernsehgebühren nicht bezahlen kann. Oder ich bekomme ein Auto geschenkt, habe aber weder Geld für den Unterhalt noch einen Führerschein. Naja, Auto und Fernsehen könnte ich noch verkaufen, der Weg wird aber schnell zur Ruine und zum Schandfleck in der Landschaft. Ja, es ist richtig, auch mal "Nein, danke" zu sagen, wenn etwas unnütz ist. Hut ab vor den mutigen Siemenern.

Gudrun Herzog, Siemen

^ Seitenanfang