Online: 18.08.2016 - ePaper: 19.08.2016

Laienhafte Darstellung komplexer Landwirtschaft

Zu: "Unterschriften gegen Maststall", EJZ vom 4. August

Landwirte haben zunehmend Probleme damit, wie ihr Handeln in den Medien dargestellt wird. Primär werden Emotionen von Teilbereichen "besorgter Bürger" aufgenommen, die dann sehr schnell in den Bereich des Faktums gelangen. Dieses Hebels bedienen sich auch zunehmend renommierte Politiker - Stichwort "Agrarwende".

Völlig unterschiedlich sind die Vorstellungen zum Thema Massentierhaltung. Der Kernansatz kann nur das Tierwohl und nicht die Dimension der Tierhaltung sein und das auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse. Ethische Grundsätze von Veganern sind als Messlatte untauglich. Die teilweise auch militanten Vertreter der Vegetarier und Veganer, die aus ideologischen Gründen Nutztierhaltung ablehnen, bekommen durch den Kommentar von Herrn Lieske zusätzliches Gewicht, indem er Aussagen von Herrn Tebel als "mutig" bezeichnet und dabei das drohende Gewaltpotenzial derer mahnend unterstreicht. Viele Landwirte werden die Zeilen in der EJZ mit Zorn gelesen haben.

Gerade die gut ausgebildeten jungen Landwirte - oft mit akademischem Abschluss - haben eine sachlich und faktisch faire Darstellung verdient. Sie machen einen tollen Job und besitzen ein hohes Maß an Detailwissen, hinter dem sich mancher Leserbriefschreiber verstecken könnte. Sie produzieren wertvolle Lebensmittel, sind Landschaftspfleger und Motor jeder ländlichen Gemeinde; sie tragen viel zur Wertschöpfung in der Region und Bewahrung unserer Kultur auf den Dörfern bei. Sie übernehmen Familienbetriebe, führen und entwickeln sie weiter.

Dazu gehört auch der Bau von Viehställen und zwar nach Kriterien, die Fachleute entwickelt haben, nach derzeitigem Wissensstand. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat auch zu einer veränderten Einstellung zu ihr in den Dörfern geführt. Der Zuzug vieler Stadt-Aussteiger und deren abfärbender andersartiger Position zur Landwirtschaft, hat die Toleranzschwellen verschoben. Landwirte mögen es nicht gern, von vermeintlich intellektuell besser strukturierten Multitalenten, die oft aus dem warmen Schoß staatlicher Obhut ins Pensionärsdasein entschlüpft sind, besserwisserisch belehrt zu werden. Nicht selten tritt dabei eine deutliche Unkenntnis der Materie zu Tage.

Die Zahl der Kritiker und gewaltbereiter Gegner moderner Landwirtschaft steigt rasant. Es trifft sich gut, dass die Parteienpräferenz der Medienvertreter auch deutlich bei Grün liegt. Hier entwickelt sich eine Symbiose aus Medien und Grünen. Bisher gibt es keine belastbaren Beweise der besseren Qualität von bio gegenüber konventionell. Es wird suggeriert, dass bio besser sei für Tier und Umwelt. Wer bio kauft, fühlt sich besser - Gutes tut er nicht. Es gibt viele Studien dazu, sie passen nur nicht ins Bild. Wie wollen eigentlich die Herren Hofreiter, Meyer und andere diese Ressourcenverschwendung rechtfertigen? Ich hoffe, dass die EJZ nicht in diese Bio-Euphorie verfällt und Mutmaßungen vor Fakten stellt.

Wolfgang Gries,

Lübbow

^ Seitenanfang