Online: 23.08.2016 - ePaper: 24.08.2016

Gute Verdrängungsarbeit bei "lebensfeindlicher" Agrarindustrie

Betrifft: Artikel "Muss davon leben können" (EJZ vom 11. August)

Vor einigen Wochen war ich in Estland. Dort gingen mir die Augen über: Wiesen übersät mit Blumen, die hunderte verschiedene Insekten anzogen. Bei der Vogelbeobachtung entdeckte ich viele Arten, die es hier nicht mehr gibt. Zurück in der hiesigen grünen Hölle wurde mir bewusst, wie lebensfeindlich die Agrarindustrie ist: Wo sind die Blumen, Insekten und Vögel mit ihrem Gesang geblieben? Die Auslassungen des Bauernverbandsvorsitzenden Adolf Tebel empören mich. Denn Mensch und Tier werden durch diesen Verband langsam aber sicher vergiftet (Herbizide, uranhaltiger Dünger, Glyphosat). Nichts kann ich dagegen tun. Auch nichts gegen die Tatsache - und wider die Behauptung des Herrn Tebel, die Landwirte sorgten aus Eigeninteresse dafür, dass es ihren Tieren gut geht -, dass Kälber in den Leibern ihrer geschlachteten Mütter nach einem 20-minütigen Todeskampf ersticken, nichts gegen die Schreie der Ferkel, die ohne Betäubung kastriert werden, nichts gegen den Gestank aus Massentierställen. Herr Tebel vertritt ein gnadenloses Vernichungssystem. Jeder Landwirt kann sich fragen, wie lange er noch verantworten kann, sich den ausbeuterischen Strukturen zu unterwerfen. Ich aber habe keine Entscheidungsfreiheit. Mit meinen Steuern subventioniere ich den Wahnsinn. Nur eines bleibt mir: meine Weigerung, diese gequälten und ihrer Seele beraubten Tiere zu essen und die Wut, dass Mist und Gülle mir auch noch meine Blumen zermatschen. Herrn Tebel wünsche ich weiter gute Verdrängungsarbeit.

↔Dr. Ulrike von Guretzky,

↔Laase

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