Online: 26.08.2016 - ePaper: 27.08.2016

Eine kleine Hexenjagd

Betrifft: Kommentar "Teurer Hokuspokus" von Benjamin Piel (EJZ vom 13. August)

"Die einen betrügen, die anderen überschätzen sich", und die Händler aus dem esoterischen Bereich sind "Scharlatane per se", kommentiert Herr Piel die Hexentage in Lübeln. Hat er da nicht die Theologen vergessen, oder hat er schon mal jemand übers Wasser wandeln sehn? Der Glaube sollte jedem Menschen freigestellt sein, aber bitte auch den esoterisch Denkenden. Wenn man aber meint, draufhauen zu müssen, dann sollte man andere potenzielle Schwindler und Scharlatane nicht unerwähnt lassen: die Kirchen, Therapeuten, die Hoffnungen vermitteln, die sie nicht erfüllen können, Politiker, die mit Steuergeldern umgehen, als gehörten sie ihnen, und Finanzexperten, die ihre dummen und schädlichen Spiele mit Unmengen von Geld weitgehend ungestraft spielen dürfen.

Aber die Hexentage, was sind sie wirklich? Da wird Schmuck verkauft, es werden Massagen angeboten, man tanzt und musiziert. Und die vielen hundert Menschen, die dorthin gehen, mag Herr Piel ja für etwas leichtgläubig halten, aber letztlich ist es nur eine Form der Unterhaltung wie bei Schützen- und Trachtenfesten, Karneval, Mittelalterspielen und ähnlichen Events. Aber der Zorn von Herrn Piel wird ja nicht nur deshalb erregt sein, weil meistens Frauen esoterische Dienstleistungen anbieten, obwohl eine kleine Hexenjagd ja gut zu den Hexentagen passt.

Aber es gibt auch Menschen, die glauben, dass ein Journalist gut recherchiert hat über jenes, von dem er berichtet oder das er meint, kommentieren zu müssen, oder dass er zumindest über die Folgerungen nachgedacht hat, die man auf die etablierten Religionen aus der Kritik entnehmen kann. Wenn das so gemeint ist, muss ich Herrn Piel ja Recht geben.

↔Detlev Richter,

↔Wustrow

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