Online: 26.08.2016 - ePaper: 27.08.2016

Zuviel ist nicht genug

Betrifft: Artikel "Erde ächzt unter der Gier" (EJZ vom 8. August)

Am 8. August war "Erdüberlastungstag". Die Aussage: Mit unserer Art zu leben, übernutzen wir die Erde, nehmen den Menschen, die nach uns leben, ihre Lebensgrundlagen weg, heizen das Klima auf, zerstören die Umwelt und leben in Deutschland so, als stünden uns drei Erden zur Verfügung. Unsere Umweltministerin sagt: "Ein Weiter-so ist keine Option." Doch es bleibt beim "Weiter-so": weitere Autobahnen, steigende Auto- und Fleischproduktion, Zunahme von Flugreisen oder Bau neuer, immer luxuriöserer Kreuzfahrtschiffe. Wir haben jedes Maß verloren, zuviel ist nicht genug.

Und immer wieder das Heilsversprechen mit den erneuerbaren Energien. Trotz des jahrelangen Ausbaus stiegen im Jahr 2015 die CO2-Emissionen. Solange erneuerbare Energien in das Geld - Giersystem unseres Wirtschaftens mit all der Ressourcen - und Energieverschwendung eingebunden sind, dieses System stützend, und nicht gleichzeitig fossile Energien ersetzen, sind sie ein unglaublicher Selbstbetrug, sind Teil des Tanzes um das goldene Kalb, ein Tanz ums Geld, der unsere Gesellschaft beherrscht. Mensch, Klima und Umwelt bleiben auf der Strecke.

Wir zerstören unsere eigenen Lebensgrundlagen. Der Mensch ohne Verantwortung für seine Lebensgrundlagen, eine Fehlentwicklung des Lebens?! Der Mensch, zum Homo consumens geworden, süchtig nach der Droge Konsum, ihr ausgeliefert, wie es der bekannte Psychoanalytiker Erich Fromm in seinem Buch "Haben oder Sein" beschreibt?

Und ist der Mensch in Anbetracht der Möglichkeit, satt konsumieren zu können, gesamtgesellschaftlich überhaupt bereit, umzudenken, bereit, einen Wandel bewusst zu gestalten im Sinne von Suffizienz (Mäßigung, Genügsamkeit) durch einfachere, weniger Ressourcen und Energie verbrauchende Lebensstile oder unterliegen wir weiter der Verlockung des Konsums und steuern damit unweigerlich der Klimakatastrophe zu?

Die Zeit drängt: Schon jetzt, Jahr für Jahr, sind Millionen von Menschen auf der Flucht aufgrund der Auswirkungen der Erderwärmung. Bedrückend sind Umfragen, wonach von den Menschen, die den Zusammenhang von Lebensstil und seinen Folgen auf die Umwelt sehen, nur etwa acht Prozent entsprechend verantwortlich handeln.

Und dennoch: Es gibt weltweit Gruppierungen von Menschen, die versuchen, der Verschwendung etwas entgegenzusetzen, auch junge Menschen bei uns im Landkreis, die aus einem Gefühl der Übersättigung durch Konsum nach anderen Werten suchen, versuchen einfacher zu leben, sich bewusst zu begrenzen und mit wenig Geld und mit wenigen Dingen des täglichen Lebens auszukommen und dabei die Erfahrung machen: weniger ist mehr.

↔Hermann Klepper,

↔Banzau

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