Online: 26.08.2016 - ePaper: 27.08.2016

Angst ist ein tödlicher Ratgeber

Betrifft: Artikel "Schicksalstag an der Badebuhne" (EJZ vom 5. August)

Irgendwann muss doch jeder Leser dran glauben. Je häufiger die EJZ ihre Schreckensgeschichte wiederkäut, desto mehr Leute lassen sich in die Angst treiben. Leider ist Angst ein schlechter und manchmal tödlicher Ratgeber. Auch durch Panikmache verhindern wir es nicht, dass ahnungslose oder alkoholverwegene Menschen in Flüssen baden. Wären sie doch zuvor aufgeklärt worden, statt sie das Fürchten zu lehren, weil Panik sie die dümmsten Dinge tun lässt.

Aktueller Hintergrund war ein Badeunfall vor 65 Jahren, wo ein 14-jähriger Nichtschwimmer im Schwimmring unterwegs war. EJZ-Text: "Der Wellenschlag eines vorbeiziehenden Schiffes hatte ihn aus dem Reifen geworfen". Der 14-Jährige wurde gerettet. Doch was bitte hat seine einstige Dummheit mit den stereotypen EJZ-Schreibtisch-Warnungen zu tun?: "Gefährlich…beim Hochwasser…unterschätzen Strömung...unberechenbar der Wellenschlag…kräftig die Verwirbelungen unter der Oberfläche…schon zwei Menschenleben in diesem Jahr gekostet".

Liebe EJZ, benutzt bitte keine Toten, um ihnen Dinge anzuhängen, von denen (nicht nur) ihr keine Ahnung habt. Schickt endlich einen Lernwilligen aus dem fernen Lüchow an den Fluss, dessen Namen ihr ja auch tragt. Lasst ihn uns Elbeschwimmer videografieren und schaut euch an, wie unspektakulär es ist, in der Strömung zu schwimmen und danach, egal ob durch die Verwirbelungen (angeblich "Strudel") oder nicht, an Land zu gehen. Dann enden hoffentlich eure Gruselgeschichten.

Normal schwimmt man mit der Strömung, falls man ans andere Ufer will, quer zu ihr. Um an Land zu kommen, steuert man eine Bucht an. Falls man dabei die Strömung falsch eingeschätzt hat, nimmt man die nächste Bucht. So einfach ist das! Und genau das sollte die Hauptbotschaft sein: "Man kommt raus, indem man ans Ufer schwimmt!" Erst in zweiter Linie - und die gilt für interessierte Elbeschwimmer - sind die Gefahren wichtig. Dann aber bitte die wirklichen und kein Nichtschwimmerlatein!

Ahnungslosigkeit ist ebenso gefährlich wie die Gruselgeschichten. Wer in Flüssen schwimmen will, sollte sich die Verhältnisse vor Ort sehr genau anschauen: Wie verläuft die Strömung an den Buhnen und in den Buchten? Wo gehe ich hinein, wo wieder heraus? Wie ist meine Erfahrung in unvorhergesehenen Situationen? Werde ich trotz Angst einigermaßen intelligent und richtig handeln? Allemal klar sollte sein: Nichtschwimmer bleiben draußen. Ebenso Menschen, die zur Panik neigen.

↔Horst Baumhauer, Hitzacker

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