Online: 08.09.2016 - ePaper: 09.09.2016

Qualgezüchtet

Betrifft: Artikel "Muss davon leben können" (EJZ vom 11. August)

Kreis-Landvolk-Vorsitzender Adolf Tebel stellt sich hinter die Baupläne für eine weitere agrarindustrielle Hähnchenmast-Anlage in Teplingen und wünscht sich mehr Wertschätzung der Verbraucher. Indirekt gibt er den Verbrauchern auch die Schuld für diese Qualhaltung, weil sie die Produkte daraus ja kaufen würden.

In der Tat ist es so, dass die meisten Verbraucher im Supermarkt an der Fleischtheke ihre guten Vorsätze, die sie bei ihren ehrlich gemeinten Antworten bei Umfragen bekunden, vergessen und preisgünstig einkaufen. Die gleichen Menschen setzen sich aber als Bürger für eine artgerechtere und bäuerliche Tierhaltung ein.

Jeder Mensch hat offenbar eine schwache Seite (die als individualisierter Käufer) und eine starke Seite (die als Bürger und Wähler). Die letztere Seite scheint derzeit die Oberhand zu gewinnen, weil Demonstrationen, Bürgerproteste und Wahlen den Tierschutzplan Niedersachsen auf den Weg gebracht haben. Auch der Landvolk-Landesbauernverband müsste allmählich erkennen, dass er mit seiner Agrarindustrie-Orientierung die Landwirte ins gesellschaftliche Abseits und in die ruinöse Überproduktion mit sich reißt.

Zynisch ist die Schönfärberei von Agrarfabriken mit knapp 20 Masthühnern auf einem Quadratmeter, einseitig qualgezüchtet, sodass Skelett und Kreislauf den Turbo-Fleischansatz nicht verkraften, die gesamte Zeit auf dem eigenen Kot stehend und deshalb mit Fußballen-Entzündungen. Dazu Herr Tebel: "Und Landwirten geht es doch nur gut, wenn es auch den Tieren gut geht". Auch die allermeisten Bauern lehnen derlei abhängige Vertragsmast für Geflügelkonzerne ab.

↔Eckehard Niemann,

↔Bienenbüttel

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