Online: 08.09.2016 - ePaper: 09.09.2016

Ausschließliche Profit-Orientierung

Betrifft: Betreiberinteressen

Was haben die Teplinger Hühnermastställe mit den Windmühlen bei Wustrow gemein? Dass hinter ihnen Betreiberinteressen stehen, die die Anlagen gern doppelt so groß sehen würden als sie derzeit sind, am liebsten noch gigantischer. Und hinter den Betreibern stehen mächtige Interessenvertreter, die das Ganze lauthals ‚politisch' unterstützen und schnell zu Drohgebärden greifen oder auf die Tränendrüsen drücken: Da werden juristische Schritte, die gar nicht möglich sind, gegen das Raumordnungsprogramm erwogen wegen "Höhenbegrenzungen", die keine sind, sondern, gemessen an den bisherigen WKA einen mehr als 50-prozentigen Zuwachs auf 150 m Anlagenhöhe bedeuten. Da wird gejammert, dass man sonst nicht mehr sinnvoll wirtschaften könne, wenn man den Betrieb nicht erweitere. Alle sehen sich im Recht. Der Landwirt tut aus seiner Sicht nichts Unstatthaftes, da er ja nur mit seinem Betrieb "vorankommen" will. Die Windkraftbetreiber sehen den tiefen Glauben auf ihrer Seite, dass sie ökologisch richtig handeln, wenn sie mit noch weiteren abertausenden von Mühlen die Landschaften zerstören und die Natur schädigen, ohne die vergangenen 25 Jahre die CO2-Werte, die derzeit auf dem historisch höchsten Stand sind, nur ein Quentchen verringert zu haben.

Gemeinsam tragen sie das dümmliche Bekenntnis des "Wachse oder Weiche" vor sich her, diese zivil-religiöse Glaubensgewissheit unserer durchökonomisierten Zeit, dass es immer so weiter gehen muss und dass die Zerstörung der Biosphähre durch solches Wirtschaftshandeln nur eine bösartige Unterstellung von Ungläubigen und Spinnern ist, welche ihnen das Geschäft vermiesen will.

Jammern auf höchstem Niveau: Muss ein Landwirt, der 2014 und 2015 zusammen über 112000 Euro allein an Agrar-Hilfszahlungen erhielt, tatsächlich "voran" kommen? Muss die Windkraftbranche, deren Durchschnittsrendite derzeit bei sagenhaften 4 bis 7 Prozent liegt (Der Spiegel 27/2016) tatsächlich um ihr Ende fürchten?

Nein. Ihre ausschließliche Profitorientierung zeigt, dass sie mitnichten bereit sind, über die Konsequenzen ihres Wirtschaftshandelns nachzudenken: Der Bauer, dessen exportierter Hühner-Abfall in Afrika die lokalen Märkte zerstört und eine Mitschuld am Massenelend, ja sogar an den "Flüchtlingsströmen" trägt; der Windkraftbetreiber, der mit seiner aggressiven Durchsetzungspolitik den Energiehunger bestätigt und damit den nach wie vor zunehmenden Energieverbrauch zu bedienen gewillt ist, welcher bereits zu Atomkraftzeiten als die zentrale Ursache der Erderwärmung erkannt war, die er jetzt erfolgreich zu bekämpfen vorgibt. Am Schlimmsten aber ist, dass diese Machenschaften die Idee und die Praxis einer verantwortungsvollen Energiewende genauso in Misskredit gebracht haben wie die Gewinnsucht der Agrarindustrie die einstmals hochgeschätzte Landwirtschaft, als sie noch bäuerlich genannt werden konnte und etwas mit gesunder Ernährung vor Ort zu tun hatte.

↔Dr. Thomas Krauß,

↔Schnackenburg

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