Online: 09.09.2016 - ePaper: 10.09.2016

Mofas auf Radwegen zulassen

Betrifft: Erfahrungen eines Mofa-Fahrers

Fast jeder Pkw- und Lkw-Fahrer kennt es: zügiger Verkehr, kein Stau, trockene Fahrbahn. Plötzlich aufleuchtende Bremslichter der Vordermänner, kleiner Stau, aber nichts zu sehen. Nach und nach überholen die Pkws, der Stau wird kleiner, die Wurzel des Übels sichtbar: ein Mofa, das mit 25 km/h am rechten Fahrbahnrand dahinzuckelt. Mittlerweile stauen sich die Lkws, der Gegenverkehr wird dichter, die unübersichtlichen Kurven häufiger. Überholen unmöglich, ohne den Mofafahrer zu gefährden. Soweit das Szenario aus der Sicht der Lkw-Fahrer.

Und hier nun dasselbe aus der Perspektive des Mofafahrers. Rechts und links der Fahrbahn ein einladender Radweg, aber eben nur für Fußgänger und Radfahrer. Darauf weisen die blauen Gebotsschilder mit dem weißen Emblem am Beginn des Weges hin. Du sitzt auf dem Mofa, die Lkw-Front rückt immer näher, die Luftdruckbremse dröhnt, die Fahrerkabine senkt sich leicht, bald siehst du in beiden Rückspiegeln nur den riesigen Kühlergrill. Rechts keine Ausweichmöglichkeit, nur die Leitplanke. Endlich, der Gegenverkehr lichtet sich, der Lkw-Motor heult auf, die 400 PS versuchen den vollbeladenen 40-Tonner zu beschleunigen. Im Abstand von knapp 50 cm zieht das Ungetüm langsam an Dir vorbei, der Luftsog des Aufliegers lässt dein Mofa schlingern, die Leitplanke rückt bedrohlich näher, Arm- und Schultermuskulatur verkrampfen, der Angstschweiß läuft dir den Rücken runter. Du schickst ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel: bloß kein Gegenverkehr! Als das Heck des Aufliegers an dir vorbeizieht, gibts du mit Fernlicht dem Fahrer ein Zeichen, dass er es geschafft hat. Du hast es wieder geschafft.

Im Gegensatz zum Mofafahrer, der es einst in Ostfriesland nicht geschafft hatte. Seine Todesspur war rund 25 Meter lang. Den Anblick habe ich bis heute nicht vergessen.

Die vergangenen Zeilen sind kein Plagiat aus einem Horrorthriller, sondern brutale Wahrheit, wie es sich hin und wieder auf den Straßen abspielt. Ich will hiermit zum Ausdruck bringen, warum die kleinen, weißen Schilder unter den Gebotsschildern sang- und klanglos verschwunden sind. Stilisiertes Mofa ­- erlaubt. So ein Schild kostet vielleicht 25 bis 30 Euro. Jeder halbwegs trainierte Radfahrer bringt es heutzutage auf 25 bis 30 km/h, nicht selten auch schneller. Einem Mofafahrer, der sich an die Verkehrsregeln hält, wird dies verwehrt. Ich empfehle den Verantwortlichen doch mal mit einem Mofa den Adrenalinkick mitzumachen. Vielleicht tritt dann ein Umdenken ein. Mein Vorschlag: Ortseingang: Mofa verboten; Ortsausgang: Mofa erlaubt. Wir Mofafahrer sind zwar eine verschwindend kleine Minderheit, aber unsere Todesrate muss ja nicht unbedingt in die Höhe getrieben werden, gerade in Anbetracht der kommenden dunklen und nassen Jahreszeit.

↔Rainer von der Burg,

↔Hitzacker

^ Seitenanfang