Online: 09.09.2016 - ePaper: 10.09.2016

Ein unmoralisches Angebot

Betrifft: Geplanter Glasfaserausbau für Lüchow-Dannenberg

Kaum gibt es Ansätze, die abgehängten Regionen wie unseren Landkreis flächendeckend mit Glaserfaser zu versorgen, springt die Telekom aus der Kiste und bietet auf einmal eine schnellere Internetversorgung an. Das Vorgehen ist nicht neu. Wen es interessiert, der kann sich zum Beispiel mit den teilweise schon unlauteren Mitteln beschäftigen, mit denen die Telekom die Breitbandversorgung Oberpfalz in den vergangenen Jahren aus dem Markt zu drängen versucht. Natürlich ist es für die wenigen, die davon profitieren würden, verlockend, auf den Telekom-Zug aufzuspringen. Leider führt der Zug aber technologisch aufs Abstellgleis. Mehr als das bisschen Geschwindigkeit, das die Telekom jetzt noch aus den Kupferkabeln rausquetscht, ist nicht mehr möglich.

Die Telekom ist Mitglied bei der "Netzallianz Digitales Deutschland", die im März 2014 durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gegründet wurde. Die Allianz vereint Telekommunikations- und Netzunternehmen, "mit denen der Bund den Breitbandausbau in Deutschland partnerschaftlich vorantreiben wird". Die Allianz betont den zukunftsweisenden Stellenwert des Glasfaserausbaus: "Die Teilnehmer der Netzallianz sind sich einig, dass eine schrittweise Ergänzung von Kupfernetzen durch Glasfaser überwiegend die effizienteste Methode für einen marktgetriebenen, flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen ist." Der einzig zukunftsfähige Weg führt also über das Glasfaserkabel. Die Telekom hat kein Interesse am Ausbau, das hat sie die vergangenen Jahren bewiesen. Das einzige Interesse des Konzerns besteht darin, jeden kleinen Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Das ist das Gegenteil von offiziell postulierter "partnerschaftlicher Zusammenarbeit". Wir haben genau jetzt - und nur einmal - die Möglichkeit, den Landkreis flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen. Schaffen wir das nicht gemeinsam, wird der Landkreis auf lange Sicht eine digitale Wüste bleiben. Die Folgen sind schon jetzt zu sehen, und nicht nur bei der Betrachtung der Wirtschaftsfähigkeit des Landkreises: Digitale Teilhabe ist heute ein essenzielles Recht, das wir und unsere Kinder genauso haben sollten wie die Menschen in den jetzt schon besser versorgten Teilen unseres Landes.

↔Markus Wölk, Reitze

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