Online: 09.09.2016 - ePaper: 10.09.2016

Neulich im Schwimmbad

Betrifft: Das Erlernen des Kopfsprungs

"Wie macht sie das?", fragt eine Stimme neben mir freundlich. Es ist ein heißer Sommertag. Ich bin mit meiner kleinen Tochter Sonja im Schwimmbad und bringe ihr den Kopfsprung bei. Die Stimme gehört zu einem jungen braungebrannten Mann mit schwarzen Haaren und einem Akzent in seinem Deutsch. "Was?", frage ich. "Das da", sagt er und zeigt auf meine Tochter, "wie heißt das?" Und er deutet mit den Händen die Bewegung zu einem Kopfsprung ins Wasser an. "Kopfsprung", sage ich. "Und noch ein Wort gibt es?", fragt er, "Köpp…?"- "Ja, ‚Köpper' sagen manche, aber das ist nicht so schön." "Ah. Und wie macht sie das?"

Ich bitte meine Tochter, es einmal vorzumachen. Sie tut es stolz, und es gelingt. Ein älterer Herr nickt anerkennend und lächelt. Der junge Mann versucht es. Bauchklatscher. Er schwimmt zurück an den Beckenrand. "Falsch, nee?", fragt er. "Ja, falsch. Tut´s weh?", erwidere ich. "Wie macht sie das?", fragt er wieder. "Mach noch mal vor", wende ich mich an meine Tochter, und sie springt wieder einen gelungenen Kopfsprung. Er versucht es nachzumachen. Bauchklatscher. Beide kommen zurück und stellen sich in Position. Ich zeige die Bewegungen an meiner Tochter: "Kopf zwischen die Arme, und immer dort lassen. Kopf nach vorne. Knie etwas beugen. Aus den Knien hochdrücken und nach vorne abspringen, aber Kopf immer zwischen den Armen lassen." Neuer Versuch. Neuer Bauchklatscher. Er kommt zurück und fragt: "Besser?" - "Ja, besser, aber erst, wenn es nicht weh tut, ist es richtig", sage ich mit Blick auf den rot-braunen Bauch. Er übt weiter. Der Herr im Wasser kommentiert die Sache in einer anderen Sprache, die der junge Mann offensichtlich versteht. "Gut", sagt er zu meiner Tochter. Ich habe Sonja beim Üben an den Hüften festgehalten und meine Hand auf ihren Rücken gelegt, als es noch nicht so klappen wollte. Das half. Ein Blick auf das Alter des Jugendlichen und den Unterschied zu meinem bringen mich davon ab, ihm diese Hilfe anzubieten. Auf einmal gelingt es ihm. Stolz taucht er wieder aus dem Wasser auf und strahlt mich an: "Danke!" In diesem Moment ist hinter mir ein großes Gejohle. Eine Gruppe Jugendlicher, die ich bisher gar nicht bemerkt hatte und die zu dem jungen Mann gehört, schubst sich verlegen gegenseitig vorwärts zu mir. Ein Wortwechsel mit dem Freund im Wasser folgt. Sie machen wohl untereinander ab, wer mich jetzt ansprechen soll. Schließlich fragt einer höflich: "Können Sie uns das auch zeigen, bitte?" Wir bleiben und üben mit ihnen. Am Ende stellt sich einer von ihnen vor: "Ich bin Mansur." Er nennt die Namen seiner Freunde. "Kommt zum Tee uns." Und er nennt seine Adresse.

↔Ulrike Neureither, Hitzacker

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