Online: 13.09.2016 - ePaper: 14.09.2016

Es lebe der Wutbürger

Betrifft: Kommentar "Mr. Hyde schlägt die Populisten-Trommel" (EJZ vom 30. August)

Den genannten Kommentar halte ich in Teilen für eine Frechheit. Dabei will ich uneingeschränkt zugeben, dass auch ich unseren Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel für einen Opportunisten halte, der sein Fähnchen immer genau in den Wind der "Volksmeinung" hängt. Insofern ist der Vorwurf, er sei ein Populist, durchaus berechtigt.

Was mir ausgesprochen sauer aufgestoßen ist, war der Spruch "allzu viele Bürger glauben hysterischen Parolen, wonach TTIP über private Schiedsgerichte gleich die europäische Demokratie mit einem Federstrich aushebeln würde". Diese Aussage ist meines Erachtens abgehoben und arrogant. Herr Zießler, Sie sollten sich vielleicht einmal schlaumachen, wer diese "hysterischen Parolen" und warum verfasst und mit welchen guten Argumenten begründet hat. Sie werden eine Menge respektable Wissenschaftler unter den Autoren finden.

Wer aber die "Wutbürger" so wenig ernst nimmt, wie Sie das tun, muss sich nicht wundern, dass Politikverdrossenheit heute zu einem Hauptproblem in unserem Land geworden ist. Vielleicht recherchieren Sie einmal, wie das Abkommen USA-Mexiko gelaufen ist oder welche schlechten Beispiele in Bezug auf Schiedsgerichtsverfahren zu vermelden sind. Wenn Sie dann immer noch von hysterischen Parolen sprechen, dann dürfen sie auch weiterhin das dämliche Chlorhühnchen aus der (untersten) Schublade ziehen, um das Freihandelsabkommen zu lobpreisen. Aber vielleicht erkennen Sie auch, dass ausschließlich Großkonzerne die Nutznießer dieser Vereinbarungen waren und sind. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass diese ihre ohnehin schon riesigen Gewinne in irgendeinem Schurkenstaat für "einen Appel und ein Ei" versteuern, dürfte auch Ihnen klar werden, wer letztlich immer wieder die Zeche zu bezahlen hat. Es lebe der Wutbürger.

Hans Hertel, Gartow

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