Online: 13.09.2016 - ePaper: 14.09.2016

41-mal leer um die Welt

Betrifft: Artikel "ÖPNV unter der Lupe" (EJZ vom 2. September)

Gefragt hat man sich schon öfter, wohin die Reise geht, wenn Linienbusse im Landkreis durch Zielschilder wie "Frohe Weihnacht" zur Mitreise animierten. Klingt irgendwie nett. Aber wo liegt das genau, fragte man sich. Jetzt hat die EJZ das Geheimnis gelüftet: Es ist kein Ort, der angefahren wird, sondern hier ist eine Rundreise im Angebot: Eine Reise rund um die Welt. Was sage ich "eine"? Nein, dieser Geheimtipp für Globetrotter auch zum Beispiel bei "frohe Ostern" oder "Einsatzfahrt" verweist auf viele, viele Erdumrundungen der Linienbusse unseres kleinen Landkreises auf ihrem Weg von Lüchow zu ihren Einsatzorten in Dannenberg oder Gartow.

Jetzt können wir uns auf eine neue Angabe im Zielschild freuen: "Mann im Mond." Da der Mond nur 384000 km von der Erde entfernt ist, die Summe der im Landkreis anfallenden Leerfahrten, die nicht für Fahrgäste zum Erreichen von Zielen innerhalb des Landkreises gedacht sind, jetzt sogar sage und schreibe 477000 km beträgt, bleiben nach Ankunft auf unserem Erdtrabanten noch gut 80000 km vor Ort für eine aufregende Suche nach dieser sagenumwobenen Gestalt. Nein, eigentlich ist das natürlich gar nicht witzig. Wir vom Kreisverband des ökologischen Verkehrsverbandes VCD machen seit Jahren Vorschläge, wie man Einsatzfahrten minimieren könnte, beispielsweise durch Auslagern der Busse zu den Linienendpunkten oder alternativ dazu die Umwandlung der Einsatzfahrten in für alle nutzbare reguläre Linien. Nicht nur um Kosten zu sparen, sondern auch um den enormen Schadstoffausstoß der schweren Fahrzeuge zu minimieren. Doch auf Seiten der LSE erfolgt keine Reaktion. Auch der Vorschlag, die Einsatzfahrten zu sehr niedrigen Pauschaltarifen anzubieten und so einerseits sozial benachteiligten zu mehr Mobilität zu verhelfen - dabei trotzdem noch Einnahmen für den Kreis zu generieren -, andererseits durch solch günstige Angebote neue Nutzer für den ÖPNV zu gewinnen, verhallte ungehört. Jeder Supermarkt und selbst die Deutsche Bahn kennen Lockangebote auch für die Neukundengewinnung. Aber in unserem Landkreis denkt die LSE-Verwaltung, über möglichst große Umwegführung der Linien und dadurch mehr Tarifkilometer mehr Einnahmen von Kunden generieren zu können. So blöd sind Kunden nun doch nicht. Wer nicht absolut auf den Bus angewiesen ist, fühlt sich verschaukelt und bleibt weg. Der Wendlandtarif gehört dringend überarbeitet - eine Forderung, die wir seit Jahren stellen. Die Zukunft kann man nicht verwalten, sondern nur gestalten. Angesichts der Misere wünschen wir für den nächsten Kreistag Politiker, die den Mut zu zukunftsweisenden Lösungen haben.

↔Bernd Rübsam-Wassong,

↔Hitzacker,

VCD-Kreisververband

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