Online: 13.09.2016 - ePaper: 14.09.2016

Nicht langweilig und überflüssig

Betrifft: Artikel "Halb leer, halb voll" und "Zeiten des Umbruchs" (EJZ vom 29. August)

Auch wenn alte Redaktionshasen keinen Neuigkeitswert darin entdecken können: Solche öffentlichen Gesprächsrunden mit dem Ministerpräsidenten und seinem Umweltminister wie gerade in Gedelitz haben durchaus ihren Sinn. Und das nicht nur, weil die Gelegenheiten selten sind, bei denen wir mit Mitgliedern der Landesregierung in einem solchen persönlichen Rahmen diskutieren können. Sondern auch, weil das Thema Atommülllagerung in Gorleben keineswegs "aus kommunalpolitischer Sicht auf Jahre hinaus weitestgehend auf dem Abstellgleis" steht, wie der Redakteur meint.

Fehleinschätzung

Das halte ich für eine krasse Fehleinschätzung. Zum einen, weil das Standortauswahlverfahren für ein "Endlager" noch viele Jahrzehnte dauern wird. Das Zwischenlager Gorleben wird damit zu einem Dauerstandplatz. Viele Castoren werden schon bald ihre als unbedenklich geltende Standzeit überschreiten. Und niemand weiß, wie der Inhalt sich verändert hat: Denn öffnen, reinschauen und wieder zumachen geht nicht. Ich erwarte also von unseren kommunalen Abgeordneten, dass sie die Frage Zwischenlagerung nicht aufs Abstellgleis schieben, sondern sich ernsthaft damit befassen. Und das ihnen Mögliche tun, bei den Verantwortlichen auf größtmögliche Sicherheit am Zwischenlager Gorleben zu dringen. Das gilt natürlich auch für das Fasslager, das nicht wenig Probleme macht.

Auch das Standortauswahlverfahren können sie und wir nicht einfach laufen lassen, ohne uns darum zu kümmern. Denn das bietet Parteiführungen und Länderregierungen viele Möglichkeiten, den Auswahlprozess in ihrem Interesse zu manipulieren und die Standortfrage zum Gegenstand politischer Deals zu machen. Gorleben droht damit höchste Gefahr, als "Endlager" höheren Parteiinteressen geopfert zu werden. Auch das wurde bei der Diskussion mit Weil und Wenzel deutlich. Deren explizite Aufforderung an das Wendland, weiter politisch Druck zu machen, ist durchaus einen Zeitungsartikel wert. Ganz zu schweigen von den Vorschlägen der Endlagerkommission zur Endlagersuche.

Keine Aufarbeitung

Eine gründliche journalistische Aufarbeitung hat die EJZ bislang ihrer Leserschaft nicht geboten. Ist ja auch mühsam, kostet viel Zeit und wird keinen Reportage-Preis einbringen, klar. Aber dann sollte die Redaktionsleitung der EJZ wenigstens die Bemühungen der BI und der vielen anderen Beteiligten im "Schulterschluss", die Wendländerinnen und Wendländer zu informieren, nicht immer wieder als langweilig und überflüssig abtun.

↔Wolf-Rüdiger Marunde,

↔Hitzacker

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