Online: 26.09.2016 - ePaper: 27.09.2016

Keine Massentierhaltung?

Betrifft: Artikel "Müssen davon leben können" (EJZ vom 11. August)

"Uns Landwirten geht es doch nur gut, wenn es auch den Tieren gut geht", meint Bauernverband-Vorsitzender Adolf Tebel. Diese Aussage gilt garantiert nicht für industrielle Massentierhaltung. Der Maststall-Betreiber hat überhaupt keine Beziehung mehr zu den bedauernswerten Geschöpfen in der Massentieranlage. Ihn interessiert vor allem, dass die Mastanlage reibungslos funktioniert, denn er "muss davon leben können". Herr Tebel meint, in Lüchow-Dannenberg "sei man von Massentierhaltung weit entfernt", wegen der geringen Tierdichte. Was ist dann ein Hähnchenmaststall mit fast 40000 Tieren sonst? Von bäuerlicher Landwirtschaft kann in dieser Größenordnung kein Rede sein.

Bäuerliche Familienbetriebe gehen zugrunde angesichts der von Agrarkonzernen abhängigen industrialisierten Nutztierhaltung. Nicht nur hier bei uns, sondern erst recht in den sogenannten Entwicklungsländern. Erschreckend mafiöse Strukturen der Geflügelindustrie sind für Missstände verantwortlich. Nicht "schwarze Schafe", die es überall gibt, sind "absolute Ausnahmen". Letztlich schiebt Herr Tebel den Verbrauchern die Schuld zu für unwürdige Haltungsbedingungen, da Konsumenten im Supermarkt vorzugsweise zu den Billigangeboten der Fleischindustrie greifen. Dabei mangelt es an einer für Verbraucher klar erkennbaren Etikettierung von Fleisch- und Wurstwaren, auch von Milchprodukten. Die gegenwärtig üblichen Deklarationen sind äußerst uneinheitlich, verwirrend und Verbraucher täuschend. Wie wäre es, wenn eine einheitliche staatliche Kennzeichnungspflicht nach Herkunft, Haltungsform und Schlachtbedingungen für ausreichende Transparenz auf dem Markt sorgen würde; etwa nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung (0, 1, 2, 3). Mit der 3 etikettierte Eier (aus Legebatterien) sind aus den Geschäften verschwunden, weil die Verbraucher den Kauf verweigerten. Eine tierquälerische Haltung will niemand unterstützen.

Ilse Rebling, Lomitz

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