Online: 24.10.2016 - ePaper: 25.10.2016

An alle Schmetterlinge denken

Betrifft: Artikel "Demo für den Menschenschutz" (EJZ vom 17. Oktober)

Ja, es ist ärgerlich, dass es Tiere gibt, die Blätter fressen und auch noch ihre Haare in der Gegend verstreuen und damit allergische Reaktionen auslösen. Aber diese Raupen gibt es schon immer und wird es wohl auch in Zukunft immer geben. Ich bin kein Biologe und auch kein Entymologe, aber ich habe im Lauf der vergangenen Jahre nachgelesen, was es zu diesem Thema an Büchern und Internet-Information zu lesen gibt.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, dessen Raupen die Eichen kahlfressen, und wenn nicht genügend Eichen da sind, dann gehen diese Raupen auch an andere Bäume. Immer wieder wird seit Jahrhunderten berichtet, dass die Raupen sich heftig vermehrt haben und ganze Wälder kahlgefressen haben. Dann - ebenso schnell wie sie aufgetaucht sind - bricht die Population wieder zusammen, und zirka zehn bis 70 Jahre lang spielen sie überhaupt keine Rolle mehr.

Das bedeutet, dass dieser natürliche Vorgang tunlichst nicht gestört werden sollte, wenn wir wieder eine Weile Ruhe vor diesen Härchen haben wollen. Je ungestörter die Raupen fressen, desto schneller "überfressen" sie sich und verschwinden wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Aber jetzt wird Gift gespritzt. Natürlich nicht überall, die Menschen sollen ja weiterleben. Das bedeutet, dass ein Teil der Schmetterlinge und Raupen überleben, und das bedeutet wieder, dass die Gesamtpopulation auf einem Niveau gehalten wird, sodass sie sich munter immer weiter vermehren können.

Ein zweiter Aspekt ist, dass dieses Gift auf alle Schmetterlingsraupen wirkt, die sich nicht mehr richtig häuten und verpuppen können. Vor fünf bis sechs Jahren gab es bei uns im Garten eine Vielfalt an Schmetterlingen, mindestens fünf verschiedene Bläulinge, Distelfalter, sogar Perlmuttfalter und Schwalbenschwanz, ganz zu schweigen von Pfauenauge, Zitronenfalter und großem und kleinem Fuchs oder dem C-Falter. Dann fing diese Spritzerei an, und dieses Jahr war großes Hallo wegen eines Bläulings oder eines Fuchses, obwohl wir die gleichen Futterpflanzen im Garten haben.

Was also ist uns lieber: Alle Schmetterlinge ausrotten oder ein paar Jahre lang den Eichenprozessionsspinner in Kauf nehmen?

↔Lienhard Schmidt,

↔Gartow

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