Online: 24.10.2016 - ePaper: 25.10.2016

Anke Steffen (Pussade) zur EJZ vom 17. Oktober:

Selbstverständliches hinterfragen

Mit großem Interesse habe ich den Artikel über das Konzert von Konstantin Wecker gelesen, denn ich war dabei und am Ende völlig begeistert von inhaltlichen Botschaften und musikalischer Brillanz.

Schon die Überschrift des Artikels verriet aber, dass der Verfasser des Berichts und ich das Konzert doch recht unterschiedlich bewertet haben. Das macht nichts, veranlasst mich aber dazu, meine Wahrnehmung hier zu schreiben - vielleicht haben andere ja ähnlich gefühlt wie ich.

Im Fokus stand für mich die allmähliche Entdeckung einer fast vergessenen Erinnerung. Erst fühlte es sich seltsam an, und dann, ganz langsam, wurden alte Gefühle wieder real - und, inspiriert von den Botschaften Weckers, begannen die Fragen: Wann habe ich in der politischen Diskussion eigentlich das letzte Mal das Wort "Solidarität" gehört? Wie kann es sein, dass ich in den täglichen Nachrichten wie selbstverständlich damit umgehe, dass die Ankündigungen von Entlassungen zu steigenden Börsenkursen führen? Wie ist es eigentlich möglich, dass die modernen Liedermacher "Comedians", die ihre Themen tendenziell unterhalb der Gürtellinie ansiedeln, ganze Stadien füllen? Wie, wer und was lullt uns so ein - und wie kann es sein, dass wir das so zulassen?

Der Abend hat in mir etwas aufgerüttelt, alte Werte wieder entdeckt und mich darin bestärkt, Trends und vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen. Wo stehen wir heute, was ist anders, wie ist es dazu gekommen, und wo wollen wir eigentlich hin? Konstantin Wecker hat Antworten. Ich teile nicht alles, aber ich bin dankbar für die Aufforderung, den Mainstream mit kritischem Blick zu begegnen und Mut zu haben, auch unkonventionell zu denken und zu handeln.

Ich bin froh, dass ich diesen schönen Abend erleben durfte, dass Konstantin Wecker seiner Linie treu geblieben ist und dass die Verdo-Verantwortlichen ihn in unseren Landkreis eingeladen haben.

 

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