Online: 04.11.2016 - ePaper: 05.11.2016

Chronologie der Ereignisse auf den Kopf gestellt

Michael Langer (Wustrow) zur EJZ vom 28. Oktober

Kommentare wie der oben genannte haben mich schon zur Kündigung von Abos veranlasst. Unbehagen statt Fakten gegen CETA?

Richtig ist zunächst, dass Kommentator Joachim Zießler selbst keine Fakten nannte, die von CETA-Kritikern unterschlagen würden. Wie sollte er auch, da CETA noch gar nicht in Kraft ist, sondern nur Prognosen, Versprechungen und so weiter kursieren. Fernhandel, so Zießler, sei ein Jahrtausende alter Begleiter des Menschen. Tatsächlich? Selbst das Netz der Hanse im Mittelalter führte nicht zu Eingriffen in regionale Produktion oder in Rechtssysteme wie CETA oder TTIP. Hat Herr Zießler keine Sorgfalt der Argumentation nötig? Greenpeace machte den Schritt zur Transparenz durch Öffentlichkeit, und erst danach verzichteten Regierungen auf Freihandel mit Hinterzimmer. Herr Zießler stellt die Chronologie auf den Kopf. Einigkeit von Rechtspopulisten und links-populistische TTIP-Gegner, also Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht in Koalition mit Nationalisten? CETA- und TTIP-Gegner in den Populismus-Topf zu werfen hieße fast, eine Koalition von CETA-Kritikern mit Pegida zu behaupten.

Zießlers Kommentar ist ein weiteres Element der Sinnentleerung der ohnehin von Wirtschaft ziemlich dominierten Demokratien. So befördert man auch Radikalismus. Zur Erinnerung: Politikverdrossenheit stellte man soziologisch schon in den 80er-Jahren fest, meines Wissens nach war es Professor Scheuch.

 

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