Online: 11.11.2016 - ePaper: 12.11.2016

Elektroautos und Klimaschutz?

Betrifft: Diskussion über Elektromobilität

Der Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Energieeffizienz sind für den Klimaschutz keine überzeugende Lösung, solange damit die Produktion von Konsumgütern gesteigert und hierfür zusätzlich Energie aus fossilen Energieträgern verbraucht wird. Jetzt ist es die Elektromobilität, die von Grünen, SPD und Autoindustrie als Glücksbringer für den Klimaschutz gepriesen wird. In der Werbung ist die Rede von "Null CO2-Emissionen" und "klimaneutraler Betriebsweise". In den Städten sollen Feinstaub und Stickoxide mit einer Umstellung auf "klimafreundliche" Elektroautos vermieden werden. Die Lösung?

Es wird nicht gesagt, dass die Produktion von E-Autos mit verantwortlich dafür ist, dass in anderen Ländern intakte Ökosysteme gefährdet sind durch die Gewinnung von Lithium für die Batterien und dass für den Abbau und die Verhüttung von Kobalt und Kupfer große Mengen an Kohle klimaschädlich verbrannt werden. Es entstehen riesige Abraumhalden. Ganze Landstriche werden verwüstet und Flüsse, Seen, Grundwasser und Boden verseucht. Es werden Menschen vertrieben, die Luft mit giftigen Abgasen belastet und Regenwald abgeholzt. Um die Rohstoffe werden Kriege geführt, und Kinder müssen - allein im Kongo sind es 50000 (Wuppertal-Institut) - in Kobaltminen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten.

Lasst Mensch, Umwelt weit weg von uns ruhig vor die Hunde gehen, Hauptsache unsere Lebensqualität wird in den Städten nicht durch Lärm, Feinstaub und Stickoxide eingeschränkt. Elektroautos - klimaneutral, emissionsfrei? Wohl kaum. Rund 70 Prozent des Stroms kommt derzeit aus fossilen Energieträgern, nur 30 Prozent aus erneuerbaren, und auch jede Windmühle ist ein Konzentrat eines langen Herstellungsprozesses mit viel Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger.

Elektroautos und Klimaschutz? Es gibt auch bei der Produktion von E-Autos keine Entwicklung hin zu Suffizienz, zum Maß-Halten, um Emissionen sowie Belastungen für Mensch und Umwelt zu mindern. Sportlichkeit und Spaß schließen sich auch bei den E- Autos nicht aus, so Wirtschaftsminister Lies (EJZ vom 27. Oktober). Die E-Autos werden immer schwerer, hoher Verbrauch von Energie schon bei der Herstellung von Luxuslimousinen, Gelände-Kompaktwagen, Sportwagen von 300 bis 600 PS. Und laut Greenpeace haben E-Autos als Zweit- oder Drittwagen bei Haushalten mit überdurchschnittlichem Einkommen einen besonderen Reiz. Wenn wir Klimaschutz wirklich ernst nehmen und nicht weiter Klimakosmetik betreiben wollen, muss die aktuelle Studie des bedeutenden norwegischen Zukunftsforschers Jorge Randers und des britischen Ökonom Graeme Maxton auch im Bereich der Elektromobilität Maßstab sein. Sie fordern eine radikale Umkehr vom maßlosen Konsum und ein Zurückfahren des Wachstums, wenn Deutschland sein Klimaziel, bis 2020 40 Prozent weniger CO2 auszustoßen, erreichen will.

↔Hermann Klepper, Banzau

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