Online: 11.11.2016 - ePaper: 12.11.2016

Ableiern und durchwinken

Dieter Dauwald, Lüchow zur EJZ vom 26. Oktober

Eine erbärmliche Ratssitzung präsentierte sich den Besuchern im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung am 24. Oktober in Lüchow. Peinlich war der gesamte Ablauf und die damit verbundene Einwohnerfragestunde. Ein unverständliches Ableihern und Durchwinken der Tagesordnungspunkte (TOP) der Verantwortlichen und den teilnahmslosen Ratsmitgliedern, manche das letzte Mal dabei, so führte man kommunale Parlamentsarbeit nach der Wahl blamabel vor. Passend dazu, bat ein UWG-Mitglied, das Auditorium doch hörbarer zu berieseln. Viele Ratsmitglieder und Bürger haben visuell und akustisch trotzdem fast gar nichts mitbekommen.

TOP 15 - Bei der 5. Änderung des Bebauungsplanes Industriegebiet Seerauer Straße (SKF) Aufstellungsbeschluss geht es unter anderem um ein 30000 Quadratmeter großes Naturgrundstück am Stadtrand von Lüchow, ein seit 1962 sich stets weiter entwickeltes Biotop mit Waldfläche, dem Schallschutz hin zur SKF bis heute dienend. Nun soll es einem gigantischen, zirkusreifen Projekt zugeführt werden, dessen märchenhaften, utopischen Beschreibungen ökologische, humanistische und soziale Interessen in allen nur möglichen Bereichen als Fortschritt generieren sollen, schmackhaft vorbereitet und von bekannten Institutionen alibimäßig unterstützt, propagiert und protegiert, um ein schönes Bild nach außen zu zeichnen. Eingebettet hierin liegt ein bescheidenes privates Interesse, von den 10000 Quadratmetern mit einem zweistöckig zu bauenden Gebäude sowie 5000 Quadratmeter für sich zur Vergrößerung des eigenen Geschäftes zu nutzen; eben in ein Megazentrum "EinsWeiter" oder auch das Geschäft Pfoten und Co., mit rund zwei Mio. Euro zu expandieren. Die Baudamen liegen sich mit einer scheidenden Ratsgrünen in den Armen, die von einem Win-Win-Projekt spricht und auch noch einen Zoo und einer Kabinenseilbahn von der SKF zum Busbahnhof in ihrer Euphorie zustimmen würde, um die Anreise der Besucherströme zu Seminaren, Aktionstagen und Attraktionen zu gewährleisten. Was für ein Wahn, in Lüchow mit seinen vielen leerstehenden Geschäften und Räumen, einer sich hierfür anbietenden ehemaligen Landwirtschaftsschule nun ein über 50 Jahre altes Biotop zu opfern, um dann woanders Ausgleichsflächen zu schaffen. Ein peinliches Blabla gab dann noch ein UWG-Ratsexperte unterstützend von sich, weil er meinte, etwas sagen zu müssen. Dass hier viele, teure Gutachten erstellt werden müssen und rechtliche Dinge einer Klärung bedürfen, brachten die Ratsmitglieder Hanus und Schiewe verständlich herüber. Wer bezahlt den ganzen Kram? Die Bürger aus den pleiten Kassen der Stadt Lüchow?

Eine junge Frau wurde belehrt, sich erst beim TOP 15 zu äußern. Dann aber wurde ihr das Wort verwehrt, um nach einem Veto aus dem Rat nach einer Abstimmung zur Sitzungsunterbrechung dann doch noch ausnahmsweise sprechen zu dürfen. Warum ist das Volk wohl überall unzufrieden?

 

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