Online: 18.11.2016 - ePaper: 19.11.2016

"Wer Kritik übelnimmt, hat was zu verbergen."

Bodo Arndt, Gühlitz zur EJZ, 8. November

Mal so unter uns, weil eh gerade keiner mitliest. Studierende der Hamburger Bucerius Law School sind nicht gerade zu beneiden. Nicht nur dass "die armen Schweine" nun immer, bevor sie den Hörsaal betreten, "Helmut-Schmidt-Auditorium" zu lesen bekommen. Nein, auch noch erinnert sie seine Büste im Foyer an Unerträgliches. Oh Gott, oh Gott, wie soll da das Studieren denn überhaupt noch möglich sein?

Dass Schmidt alles andere als ein Vor- oder gar Leitbild war, sondern eher als Leidbild taugt, bezeugt schon seine unvorbildliche, suchtbedingte Qualmerei bei allerlei öffentlichen Auftritten. Dazu sagte er, der "Bundeskettenraucher": "In dieser Republik gibt es an so vielen Plätzen Rauchverbote. Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich mich darum schere!" Schere hin, Schere her, Schmidt erwartete aber, dass sich sonst alle im Lande an seine von und mit ihm erlassenen Verbote hielten. Aber das ist noch einer der harmlosesten Sprüche, die er sich leistete.

Warum NPD, AfD und deren Pegida-Freundeskreis sich nicht schon längst an Schmidts Zitaten bedienen, bleibt ein Rätsel. Dass er eine absolut visionslose Politik betrieb und allen Visionären zum Arzt riet, ist ja hinlänglich bekannt. Hatte er den Arzt nicht viel nötiger? Angesichts seiner fremdenfeindlichen Aussagen vermutlich schon: "Es war ein Fehler, Gastarbeiter ins Land zu lassen." "Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze." "Mit einer demokratischen Gesellschaft ist das Konzept von Multi-Kulti schwer vereinbar." "Wir können nicht mehr Ausländer verdauen." Wie viele hatte er wohl schon verspeist? Bezüglich dieser Tiraden wundern brennende Flüchtlingsunterkünfte überhaupt nicht. Sind diese Zitate tauglich, die Lunte zu zünden? Fragen Sie ihren Oettinger.

Aber wieder zu Schmidt. Auch ihm haben wir die Atomraketenstationierung zu "verdanken". Angeblich um Frieden und Freiheit zu sichern. Demzufolge sollte jedes Land auf Erden Atomraketen haben. Also eher ein kalter Krieger als warmer Bruder: "Ich bin Kanzler der Deutschen - nicht der Schwulen." Herr, vergib ihm.

Schmidts geistige Enge hat verblüffende Widersprüche zu bieten: "Sofern der Politiker ohne philosophisch-ethische Grundlage handelt, ist er in Gefahr, Fehler zu begehen" und "..., dass die Probleme der Welt und Menschheit ohne Idealismus nicht zu lösen sind." Davon abgesehen, dass die Welt selbst gar kein Problem hat, die Menschheit dafür umso mehr, könnten zu derer Problemlösung schon mal Visionäre (und Idealisten) hilfreich sein. Diese, so "Meister Schmidt" aber, sollten zum Arzt. Logo, wer so mit gegensätzlichen Standpunkten hantiert, löst kein Problem. Der ist eins. Meist altklug-allwissend wirkend, wurde er aber sichtlich launig und wortkarg, wenn Fragen auf Zeiten vor 1945 abzielten. Meinte aber: "Wer Kritik übelnimmt, hat was zu verbergen." Hatte er? "Die Dummheiten von Regierungen sollten niemals unterschätzt werden", betonte Schmidt. Egal ob das Zitat einer Selbstanalyse entstammt oder nicht, aber Regierung war Schmidt auch. Aber das bleibt alles unter uns.

 

^ Seitenanfang