Online: 18.11.2016 - ePaper: 19.11.2016

Fakten zählen nichts mehr

Haninga Thiel, Dannenberg zur EJZ vom 5. November

Ich muss mal meinem heftigen Unmut über den Leserbrief von Herrn Baade Luft machen. Dessen einleitende Worte kann ich für mich getrost auf sein Machwerk beziehen. Ohne mich komplett über all diese Polemik auszulassen, möchte ich doch einiges anmerken, beispielsweise dass Herr Baade in der Verteidigung seiner Einstellung am Thema des Leserbriefs von Katrin Karmann vollkommen vorbeigeht. Dass er die "bolschewistische Schreckensherrschaft in Russland" zu einem (unqualifizierten) negativen Vergleich heranzieht, ist für seine Gesinnung bezeichnend. Wenn es schon sein musste, hätte es ja auch durchaus Vergleiche aus dem eigenen Land geben können. Aus allem, was Herr Baade als seine Wahrheit darlegt, spricht Hass auf Andersdenkende, den er allerdings in seinem Brief eben diesen vorwirft. Die Bezeichnung "legitime Andersdenkende", die er für sich beansprucht, ist eine Verniedlichung seiner Einstellung, "sachlich vorgetragen" ebenso. Und dass eine pauschale "Nazi-Diffamierung" vom "deutschen Volk" - was immer dieses ist - verändert beurteilt wird, ist völlig undifferenziert wahrgenommen. Oder einfach behauptet. Fakten zählen heutzutage ja eh nichts mehr. Seine Kandidatur für die NPD wurde dem edlen Entgegenkommenden von Frau Karmann nicht vorgeworfen, sondern diente als Verdeutlichung seiner Gesinnung.

Wer hier Verstöße gegen demokratische Grundrechte mit der Aktion Anti-Antifa begeht, ist doch deutlich. Herr Baade erwähnt diese Aktion, um die es in Frau Karmanns Leserbrief ging, mit keinem Wort. Er lastet derartige Verstöße allein der Antifa an. Gewalt ist zu verabscheuen, egal, von welcher Seite sie kommt. Dass NPD-Mitglieder Listen mit Adressen Andersdenkender in Umlauf bringt, ist bekannt. Auch das ist Gewalt. Und als demokratisch kann seine Partei mit Fug und Recht nicht bezeichnet werden. Es könnte durchaus sein, dass es sie demnächst legitim gar nicht mehr geben wird. Ob das gut ist, mag bezweifelt werden, da sich diese feinen Typen in den Untergrund verziehen werden. Wohin so etwas führen kann, haben wir ja schon erlebt.

 

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