Online: 18.11.2016 - ePaper: 19.11.2016

Industrielle Massentierhaltung ist ein Irrweg

Johann E. P. Strauß, Leisten zur EJZ vom 8. November

Umweltschützer haben es der Bundesregierung schon seit vielen Jahren vorgehalten: Die Nitratbelastung des Grundwassers ist viel zu hoch, speziell in den Gebieten mit Massentierhaltung. Nun erhebt die EU-Kommission Klage gegen Deutschland. Die Empfehlung mancher Politiker, wie z. B. Karin Bertholdes-Sandrock, das Wort Nitrat tunlichst zu vermeiden, ist eben doch kein Heilmittel. Der anstehende Prozess kann teuer werden für Deutschland, man spricht von Strafen in Milliardenhöhe. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, dann werden aber nicht die Verursacher zur Kasse gebeten, sondern ausnahmslos jeder Steuerzahler. Das ist schlimm und ungerecht. Noch schlimmer aber ist, dass weiterhin, in Kenntnis der damit verbundenen Gefahren, neue Mega-Ställe genehmigt werden. Die langsam misstrauisch gewordene Bevölkerung soll damit beruhigt werden, dass Gülle aus den Überschussgebieten nun verstärkt in "aufnahmefähige" Gebiete transportiert werden soll. Kann das eine Lösung sein?

Zur Beantwortung muss man wissen: Gülletransporte über weite Strecken sind sehr teuer. Man wird also, um Kosten zu sparen, den Dreck möglichst nahe abladen, wo es die derzeitigen Grenzwerte gerade noch zulassen. Auf diese Weise werden sich die Gebiete mit zu hoher Nitratbelastung, in Niedersachsen bereits 60 Prozent, kontinuierlich ausdehnen. Ganz unvermeidlich aber werden die zahlreichen Transporte die CO2-Belastung der Atmosphäre weiter erhöhen, was mit den angestrebten Klimazielen nicht vereinbar ist. Wer ehrlich ist, muss einräumen, dass es in diesem Zusammenhang nur einen Ausweg gibt: Der Irrweg der industriellen Massentierhaltung mit Futterimport und Gülleexport muss beendet werden.

 

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