Online: 18.11.2016 - ePaper: 19.11.2016

"Luther war ein Hassprediger"

Johann Fritsch, Klein Witzeetze

Nun hat es also auch in unserem Landkreis begonnen, das Luther-Jahr. Der Kirchengründer wird als Reformator gefeiert, als Auslöser einer Zeitenwende, für seine Verdienste um die deutsche Sprache und für seine Wortgewalt. Ja, wortgewaltig war er, der Herr Luther. Die Texte aus seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" haben es sogar bis in die Schulbücher der Nazis geschafft. Was der hochverehrte Kirchenvater predigt und schreibt denkt man in Hitlers "Mein Kampf" zu finden, und in der Tat hat er mit seinen Äußerungen den Hass geschürt wie wenig andere.

"Dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und das, was nicht verbrennen will, mit Erden überhäufe und beschütte, dass kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien", ist nur eine seiner Aussagen, die nicht erst in der Nazi-Pogromnacht pünktlich zu seinem Geburtstag 1938 wahr werden.

Die zahllosen Judenpogrome und der Holocaust sind ohne die jahrhundertelange christliche Hetze nicht vorstellbar. Im Gegensatz zu anderen Dingen hat Luther im Judenhass nicht mit der katholischen Vergangenheit gebrochen, sondern diesen voller Überzeugung fortgesetzt. Obwohl er den Juden "verdorbenes Blut" unterstellt, verbreitet er natürlich nicht den Rassenwahn der Nazis. Seine Person und Lehre fördern den Hass allein aus religiösen Gründen. Aber wo ist da der Unterschied für die Opfer?

Und was macht die Kirche bis heute mit ihrem Gründer? Deren Funktionäre erinnern eher am Rande und mehr als ungern an die dunkle Seite dieses Mannes. Sie bezeichnen ihn als "Kind seiner Zeit" und verwenden damit ein Argument, das allzu oft dazu dient, die Menschenverachtung von Ideo- und Theologen zu relativieren. Die Institution kann sich einfach nicht dazu durchringen, Luther als das zu benennen was er auch war: ein Hassprediger. Das ihm gewidmete Jahr bietet nun beste Gelegenheit, dies zu ändern. Aber kann man einer Kirche so viel Ehrlichkeit und Wahrheit zutrauen?

 

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