Online: 02.12.2016 - ePaper: 03.12.2016

Differenziertes und klares,Verfahren gewählt

Betrifft: Artikel "Applaus für Heilemann" (EJZ vom 24. November)

Es mag verwegen klingen, aber mit Blick auf die mehrheitliche Verbundenheit des Gartower SG-Rates zur Atomindustrie taugt dieser für mich nicht gerade als Referenz für Wustrower Verhältnisse. Es ist richtig, dass wir in Wustrow für die Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters ein anderes, differenziertes und klares Verfahren gewählt haben. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass dieses Verfahren ungewöhnlich ist. Wenn die Fakten im Artikel genannt worden wären, hätte dem nicht 70 Prozent des Artikels auf diese von Petra Bauer solide und fundiert erarbeitete Wahl verwenden müssen, die gerade einmal 15 Prozent der Sitzung in Anspruch nahm. Dann wäre noch Platz gewesen für die Erwähnung der am Beginn der Sitzung durchgeführten Schweigeminute, mit der der Stadtrat Wustrow zwei vieljährige Mitglieder geehrt hat, die vor Kurzem verstorben sind.

Oder es wäre möglich gewesen, die Bevölkerung darüber zu informieren, wer die Stadt im Verein Wendland Regionalmarketing vertritt. Fakt ist, es wurde aus der SPD heraus geheime Wahl beantragt. Das Niedersächsische Kommunalverfassungs-Gesetz (NKomVG) schreibt in diesem Fall einige formale Anforderungen vor, die eingehalten wurden. Ein Wahlverfahren sieht die Bibel der Kommunalpolitik gerade nicht vor, sodass wir frei sind, hierüber zu befinden. Das vorgeschlagene Verfahren wurde von dem Großteil als klar und eindeutig gesehen. Es erhob sich kein Widerspruch. Das Wahlergebnis war eindeutig: Wir wollten einen stellvertretenden Bürgermeister, und der heißt Wolfgang Stendel.

Sicher könnten hier nun spekulativ alle möglichen Szenarien eines Wahlausgangs beschrieben werden, was -dm- in epischer Breite macht. Die gleichen Spekulationen sind ebenso beim Gartower Vorgehen möglich, dort sogar noch mit der Spitze, dass der Zufall einen Stellvertreter bestimmen könnte. Denn bei Gleichstand im zweiten Wahlgang wäre gemäß NKomVG in Gartow gelost worden. Bei uns wäre bei Gleichstand zwar auch gelost worden, jedoch wäre dann klar gewesen, dass der Rat einen zweiten stellvertretenden Bürgermeister will, so denn beide mehrheitlich Ja-Stimmen erhalten hätten. Das wäre dann nicht gegen den Willen des Rates gewesen, denn er hätte so gewählt und es damit so gewollt.

Zumindest gibt sich die EJZ modern und auf der Höhe der Zeit, wird doch mit diesem Bericht das internationale Wort des Jahres geehrt: postfaktisch! Der Artikel ist in seinen Grundzügen die Beschreibung von "Umständen, in denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung haben als Bezüge zu Gefühlen und persönlichem Glauben" (Oxford Dictionaries).

Ach ja, die Stadt Wustrow wird übrigens von Andrea Heilemann und Wolfgang Stendel im Verein Regionalmarketing Wendland vertreten.

Markus Schöning,
Königshorst

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