Online: 02.12.2016 - ePaper: 03.12.2016

Verantwortung gegenüber

Betrifft: Artikel "Ein Guter soll gehen" (EJZ vom 16. November)

Benjamin Piel verdeutlicht sehr anschaulich am Fall der Familie Asllani in Gorleben den Widersinn des deutschen Ausländerrechts. Berufliche Qualifikationen und ein fester Arbeitsplatz in einem Handwerksbetrieb, dessen Besitzer voll des Lobes über den endlich gefundenen Mitarbeiter ist ­- es soll nicht reichen, den jungen Familienvater im allseits beklagten überalterten Landkreis zu halten und auch Ehefrau und Kind eine Perspektive in der neuen Heimat zu eröffnen. Ein Lichtblick sei angemerkt: Der kleine Ahmet hat seit neuestem einen Kindergartenplatz, den er mag, weil das elterliche Umfeld und die pädagogischen Voraussetzungen in der Kita stimmen. Die Mutter Hatixhe kommt so ihrem Wunsch nahe, sich wie ihr Mann beruflich zu qualifizieren.

Die Familie Asllani kennen wir in unserer Funktion als ehremamtliche Helfer seit ihrer Ankunft in Gorleben Anfang 2015. Über die Integrationsbereitschaft und -fähigkeit (!) haben wir (neben anderen Unterstützern) zuletzt die Härtefallkommission Niedersachsen bei Antragstellung ausführlich informiert. Bekanntlich wurde der Antrag abgelehnt. Sorgte diese Entscheidung schon für erhebliche Beunruhigung beim Freundes- und Bekanntenkreis der Familie, so herrscht jetzt angesichts des behördlichen Ausreiseverlangens geradezu Bestürzung: Es kann doch nicht sein, dass ein Paar mit einem in Dannenberg geborenen Kind in einem in jeder Hinsicht heruntergewirtschafteten Unruhe-Landstrich (EJZ berichtete) zurückbefördert werden soll, sei es "freiwillig", sei es mit polizeilichem Nachdruck. Kosovo ist ein gleichlautender Begriff für das Fehlen jedweder sozialer Sicherung, dafür eine Blüte herrschender Bandenkriminalität.

Nun sind in der Bundesrepublik Abschiebungen musterhaft integrierter Familien einschließlich hier geborener und sozialisierter Kinder in Krisengebiete leider keine Ausnahme, und oft genügte der Vollzug des mehrfach verschärften Asylgesetzes, dessen Untauglichkeit als rechtliche Grundlage für Zuwanderung Landrat Jürgen Schulz herausgestellt hat. Aber glücklicherweise hat es auch immer wieder Fälle gegeben, bei denen eine gründliche, behutsame und längerfristig angelegte Zusammenarbeit vieler engagierter Bürgerinnen und Bürger mit Politik, Verwaltung, nicht zuletzt kirchlichem Beistand, doch noch Wege zum Bleiberecht eröffnet hat. Wir stehen in kommunaler Verantwortung gegenüber unseren "Neubürgern" (so Gorlebens alter und neuer Bürgermeister Hofstetter beim Begrüßungsempfang 2015). Ganz besonders bei Leuten wie den Asllanis, die sich diese Bezeichnung inzwischen redlich verdienst haben.

Marianne Weise und

Dieter Krause, Gorleben

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