Online: 16.12.2016 - ePaper: 17.12.2016

Wer bekommt das ganze Geld?

Betrifft: Artikel "Spiegelbild der Realitäten" (EJZ vom 28. November)

Kinder- und Jugendhilfe kostet den Landkreis Lüchow-Dannenberg über 20 Millionen Euro, ist dort zu lesen. Kann das stimmen? Kurz mal rechnen: Der Landkreis hat 48600 Einwohner. Davon sind rund 19000 erwerbstätig. Das wären 88 Euro monatlich pro Erwerbseinwohner oder 34,30 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Kann das wirklich stimmen?

Ein Blick auf die anderen Zahlen: 10,8 Millionen Euro für 84 Personen (Fallzahlen) als Leistungsempfänger nach den Bestimmungen des BSHG (Bundessozialhilfegesetz) bedeuten 128571 Euro pro Person und Jahr, mithin 10714 Euro jeden Monat. Zum Vergleich: Das verfügbare Jahreseinkommen pro Einwohner in Lüchow-Dannenberg beträgt 18500 Euro. Die Monatseinkommen pro Erwerbstätigen liegen zwischen 2100 und 4000 Euro brutto laut Auskunft des Statistischen Landesamtes Niedersachsen.

Angesichts dieser Fakten stellen sich Fragen, die der Bericht an exponierter Stelle (Schlagzeile auf Seite 1) doch sofort aufwirft, aber nicht stellt oder gar beantwortet: Wie kann es sein, dass für eine einzelne Person, hier ausdrücklich Kinder und Jugendliche, monatlich über 10000 Euro aufgewendet werden, während der durchschnittliche Familienhaushalt (1,6 Kinder) mit Bruttoeinkommen von durchschnittlich 3000 Euro auskommen muss? Wie kann es sein, dass angesichts solcher Aufwendungen das alltägliche Feilschen um Weihnachtszuwendung, Winterkleidung, Teilnahme an Klassenausflügen, Sport, Kultur stets im Frust endet, weil die verfügbaren Mittel zu gering sein sollen? Wer bekommt dieses ganze Geld? Und wofür?

Der Artikel ist jedenfalls nicht die für eine Titelseite erforderliche gründliche Recherche, die dargestellten zweifelhaften Fakten sind auf Schlüssigkeit nicht überprüft. Der Artikel ist auch kein Anlass für eine Neiddiskussion. Aber wenn er ein Spiegelbild der Realität sein soll, dann müssen die Fakten auch hinterfragt werden. Das ist nachzuholen.

Arne von Treuenfels, Vietze

 

Anmerkung der Redaktion: Die im Artikel genannten Zahlen stimmen. Der Leserbriefschreiber stellt aber einen falschen Bezug her. Im Artikel war die Rede von geplanten 10,8 Millionen Euro Ausgaben 2017 für Erziehungs- und Eingliederungshilfen. Die 84 Fälle bei den Hilfen durch Heimerziehung für Minderjährige und sonstige stationäre betreute Wohnformen waren ausdrücklich nur beispielsweise genannt, sind also nur ein Teil der Gesamtsumme. Die EJZ wird sich mit dem Thema noch mal intensiver beschäftigen.

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