Online: 30.12.2016 - ePaper: 31.12.2016

Genossenschaftsverband spielte mit

ZoomDie Saatbau Clenze steckt in einer existenzbedrohender Krise und will mit der Raiffeisengenossenschaft in Ebstorf fusionieren. Der EJZ-Leser Wolfgang Arndt erinnert an bessere wirtschaftliche Zeiten der Saatbau.

Betrifft: Artikel "Ein weiteres Verlustjahr" (EJZ vom 15. Dezember)

Eigentlich sollte es ein Fest werden. Aber es wurde die wohl letzte Generalversammlung der Saatbau Clenze. Als Mitarbeiter, der über 30 Jahre für die Saatbau gearbeitet hat, tut es mir schon leid, das Ende der Saatbau Clenze so miterleben zu müssen. Wenn man weiß, dass die Saatbau Clenze ein Vorzeigeunternehmen in über 30 Jahren war. So orientierten sich die andern Genossenschaften immer an uns.

An den Mitarbeitern Iag es sicherlich nicht, dass das schlechte Ergebnis eingefahren wurde. Denn gerade die Mitarbeiter sind zum Teil über Jahrzehnte in dieser Genossenschaft tätig. Sie verrichten ihre Arbeit oft bis zur Erschöpfung oder darüber hinaus; die Lkw-Fahrer manchmal über die gesetzliche Grenze hinaus (Fahrzeiten). So ging es jahrelang gut. Bis zu einem Zeitpunkt, da ein neuer Geschäftsführer gesucht wurde. Denn der Alte ging in den Ruhestand. Jetzt wurde natürlich jemand gefunden, der aus einer Nachbargenossenschaft kam oder entsprechende Referenzen mitbrachte. Diese Herren dachten aber zunächst an ihre eigenen finanziellen Vorteile, weniger an die der Genossenschaft. Und der Genossenschaftsverband in Hannover, der spielte natürlich mit.

Anstatt vor der eigenen Tür nach jemandem zu suchen, der billiger und gut war, suchte man anderswo. Denn derjenige hatte ja keine Lobby, weder beim Vorstand und Aufsichtsrat noch beim Genossenschaftsverband. Erst als das Kind im Brunnen gefallen war, da war die Alternative gut genug, den Kopf und seinen Ruf aufs Spiel zu setzen.

Aber was in Jahren verwirtschaftet wurde, das kann man natürlich nicht in kurzer Zeit aufholen. Und der Genossenschaftsverband spielte dabei natürlich auch wieder emsig mit - so ähnlich wie bei der Saatbau Dahlenburg oder der Saatbau Dannenberg vor Jahren. Denn wie kann es sein, dass die Prüfgebühren bei der Saatbau in einem Jahr bei fast gleichem Umsatz von 20000 Euro auf 50000 Euro angehoben wurden? Entweder man hat einen Auszubildenden mit dieser Aufgabe betraut, der nach der Devise gearbeitet hat, nur die Stunden bringen das Geld. Oder man hat in den Jahren davor nicht so genau hingesehen, was unbedingt erforderlich gewesen wäre.

Aber wenn jemand am Boden liegt, dann muss man unbedingt noch nachtreten, so - meiner Meinung nach - die Devise des Genossenschaftsverbandes. Wenn Raiffeisen das wohl wüsste, was aus seiner Idee geworden ist, er würde sich im Grabe umdrehen. Deshalb wird es wohl zu einem Zusammenschluss mit der VSE kommen.

↔Wolfgang Arndt,

↔ Göttien

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