Online: 30.12.2016 - ePaper: 31.12.2016

Telekom bietet

Betrifft: "Netzfreigabe Ende Dezember" (EJZ vom 20. Dezember)

Die Telekom macht ja ordentlich Dampf mit ihrem Ausbau. Hört sich erst einmal gut an, aber die Sache hat mindestens einen Haken, der leider nur im Hintergrund - wenn überhaupt - kommuniziert wird. Der derzeitige Ausbau entspricht den kommerziellen Interessen eines privatwirtschaftlich orientierten Unternehmens, wogegen erst einmal nichts einzuwenden ist. Wäre da nicht der Interessenkonflikt mit den Ausbauplänen des Landkreises. Der wesentliche Unterschied der beiden Konzepte liegt in der Zukunftssicherheit. Die Telekom denkt betriebswirtschaftlich und handelt in kurzen Zeiträumen von wenigen Jahren. Das Konzept des Landkreis ist ein erfreulich langfristig gedachtes (etwa 25 Jahre - für Technik eine Ewigkeit also) und mit Blick auf die Zukunft aus heutiger Sicht alternativlos. Es gibt im Moment schlichtweg nichts Leistungsfähigeres als Glasfaser, und eine Begrenzung der Übertragungskapazität ist auf zig Jahre nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund möchte ich alle Bewohner des Landkreises aufrufen, diesen Köder der Telekom nicht zu schlucken und sich der Initiative des Landkreises anzuschließen. Es erscheint verlockend, endlich eine schnelle Internetverbindung zu haben und das zeitnah. Aber wenn eine Region erst einmal mit VDSL (und damit über Kupferkabel - und genau das macht die Telekom gerade) versorgt ist, dann stehen die Chancen später ganz schlecht, mit Glasfaser versorgt zu werden. Das muss jeder Haushalt für sich entscheiden. Nebenwirkungen: Die verwendete Technik der Telekom, die maximal 100 Mbit/s verspricht, setzt voraus, dass der Anbieter eines Anschlusses über alle (!) Leitungen eines verlegten Kabels verfügt. Sonst funktioniert die sogenannte Vectoring-Technik nicht. Das ist also auch eine Methode, verlorengegangenes Terrain (Monopol) zurückzuerobern. Betriebswirtschaftlich prima, mit Blick auf die Gemeinschaft eine Katastrophe, weil jegliche Konkurrenz ausgeschlossen ist.

Die verwendete Technik verspricht 100 Mbit/s, verschweigt aber, dass die Geschwindigkeit davon abhängt, wie weit der Endverbraucher von der Verteilerstelle (das sind die grauen Kästen, die gerade ausgebaut werden) entfernt ist. Wer das Pech hat und am Ende des Stranges wohnt, wird mit deutlich weniger Datenrate rechnen dürfen. VDSL reicht gerade einmal etwa 500 Meter - Kabelmeter, nicht Luftlinie! - weit. Jeder Möchtegern-Kunde sollte einmal einen Blick auf die Baustelle werfen, die ihm am nächsten ist und die Entfernung zu seiner Hütte abschreiten (immer der Straße nach) und danach entscheiden.

Zusammengefasst: Wer sich jetzt für die Telekom-Lösung über Kupferkabel entscheidet, schadet erstens der zukunftssicheren Lösung des Landkreises und schießt sich damit selbst ins Knie. Mag jedermann und -frau selbst entscheiden. Wir werden Glasfaser wählen und darauf warten, obwohl wir in Vietze wahrlich aufgrund der topografischen Lage besonders gebeutelt sind.

↔Arno Freihold, Vietze

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