Online: 30.12.2016 - ePaper: 31.12.2016

Geht ausschließlich um Spekulationsinteressen

Betrifft: Kommentar: "Populistischer Realitätsverlust - Brexit und kein Ende" (EJZ vom 18. November)

Ich glaube, der Realitätsverlust ist augenscheinlich generell bei den "Lenkern" der EU zu sehen. Vor lauter diplomatischem lobbyistischem Getue kommt kein Beginn des Brexit zustande. Wie denn auch. Würde der Brexit umgesetzt werden, hätte schon längst damit begonnen werden können. Alle Positionen, an denen Großbritannien in der EU-Maschinerie betroffen ist, müssten auf Eis gelegt werden. Die britische Regierung müsste sich dann, was den Brexit angeht, schnell entscheiden. Nach dem Motto entweder - oder. Das wäre genauso, als wenn jemand vom Skatclub mitteilt, dass er hoch ansteckend erkrankt ist, aber die halbe Sau als Preis mitnehmen will und anschließend zum Arzt geht. Bei dieser Brexit-Sache spielen gewaltige Faktoren eine Rolle. Alle Spekulanten, Konzerne, Banker, Großaktionäre und Steuerbetrüger sind dermaßen in der EU verschachtelt, dass es nicht möglich ist, von Seiten der EU-Gremien und Großbritannien einfach mal so eine Trennung vorzunehmen. Die oben Genannten bestimmen, wie der Brexit vonstatten geht. Der Garant für dieses Schauspiel ist Herr Juncker als Kommissionsvorsitzender. Es geht gar nicht um die Masse der Menschen in der EU. Es spielen ausschließlich Spekulationsinteressen eine Rolle.

Ach ja, hier eine Kostprobe: Interview vom 27. Dezember 1999 im Spiegel. Das war vor Bekanntwerden der Geldwäsche des Herrn Junckers, Ministerpräsident und Finanzminister von Luxemburg: "Also, wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - bis es kein Zurück mehr gibt." Jean-Claude Juncker, die Brüsseler Republik.

Na also, so läuft es schon immer in Europa. Ich jedenfalls glaube niemandem mehr, der sich in der Politik herumtreibt. Ich könnte mich viel rustikaler ausdrücken, aber mein Leserbrief soll schließlich erscheinen. Und dann wundern sich alle möglichen Institutionen der Politik und der Medien, warum in Europa die Politikverdrossenheit wächst. Es ist nicht die Schuld der Pegida, dass es sie gibt, sondern die marodierende Horde von Politikerinnen und Politikern. Ich jedenfalls wähle die Rechten nicht. Ich gehe zur Wahl, aber ich wähle ungültig und das schon viele Jahre. Ich meine, wer nicht zur Wahl geht, kann nicht meckern und soll lieber das Schweigen üben.

Hugo Hager, Kapern

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