Online: 30.12.2016 - ePaper: 31.12.2016

Viele Wölfe illegal getötet

Betrifft: Artikel "Minister Wenzel setzt auf Zäune" (EJZ 14. Dezember)

Ich meine, dass dem Redakteur, der diesen Artikel geschrieben hat, ein mehr sachbezogener Bericht gut zu Gesicht gestanden hätte. stattdessen nur Polemik: hier der arme Schäfer und der Damwildzüchter, dort der sture und wenig einsichtige Wenzel.

Sicherlich ist der Verlust von Weidetieren durch den Wolf immer ein Problem für den Halter. Es stellt sich aber die Frage, hat dieser alles für den Schutz seiner Herde getan? In vielen europäischen Ländern haben sich die Hirten mit der Gegenwart des Wolfes arrangiert. Hier aber wird wieder massiv nach dem Abschuss der Tiere gerufen. Dass schon viele Wölfe illegal getötet wurden und in vier Fällen der Kopf als Trophäe abgetrennt wurde, über diese Perversität wird nicht gesprochen.

Unsere anthropozentrische Einstellung ist der Kern dieses Konflikts. Sowohl der Schaf- als auch der Damwildzüchter halten sich nicht die Tiere um derentwillen, sondern weil sie geschlachtet und geschossen werden. Wir dürfen millionenfach Tiere verstümmeln, quälen, vergasen, erstechen Wenn aber der Wolf sich seine Nahrung beschafft, dann ist das Geschrei groß. Was für eine große Verlogenheit.

Jeder möge bitte in die Schlachthäuser gehen und sich dort mit dem unendlichen Leid der Tiere auseinandersetzen. Da sieht man die Kälbchen auf dem Abfall liegen, der aus der sterbenden Mutterkuh herausgeschnitten wird. Zu Tausenden werden in China Tiere in den engen Käfigen gehalten um dann deren Fell an uns verkauft, damit wir schicke Kapuzen tragen. Nein, es ist nicht der Wolf, den diese Tötungsperversität auszeichnet: Wir sind es. Fleißig sind wir dabei, die Pflanzen- und die Tierwelt auszulöschen, weil wir ihnen keine eigene Existenzberechtigung zusprechen. Das Dumme an unserer haltlosen Destruktivität ist nur, dass wir in absehbarer Zeit selbst Opfer unserer Täterschaft werden.

↔Dr. Ulrike von Guretzky,

↔Laase

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