Online: 06.01.2017 - ePaper: 07.01.2017

Fakten ohne Zusammenhänge sind nix

Betrifft: Kommentar "Postfaktisch" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 31. Dezember)

Da hat EJZ-Chefkommentator Feuerriegel (F.) aber Silvester richtig einen rausgehauen: "Postfaktisch" überschreibt er sein Werk, in dem er einen unverträglichen Kessel Buntes zusammenrührt. Er bezichtigt mich, falsche Fakten zu behaupten, und auch hier gelingt es ihm wieder, wie schon bei seinen Berichten über die Haushaltsberatungen im Kreistag, wesentliche Zusammenhänge zu ignorieren. Seine Fakten ohne Zusammenhänge leiten aber in die Irre.

Es ist völlig Wurscht, ob die die öffentliche Hand 2 oder 2,5 Billionen Euro Schulden hat. Das Entscheidende ist, dass auch sogenannte Schwarze Nullen selbst in Hunderten von Jahren nicht dazu führen würden, dass diese Schulden getilgt werden könnten. Und dass die Banken-/Staats-/Wirtschaftskrise ab 2009 in Deutschland der öffentlichen Hand 500 Milliarden Euro zusätzliche (!) Schulden aufgebürdet hat. Davon wird nicht geredet oder geschrieben, auch nicht von F.

F. sollte sich auch mal ein Bild machen von den zusätzlichen, etwa vier bis sieben Billionen Euro impliziten (versteckten) Schulden, sollte sich fragen, ob man Deutschlands Anteile an sogenannten Rettungsschirmen als Schulden bezeichnen muss. Er sollte Draghis Gelddruckmaschine hinterfragen, sollte darauf hinweisen, dass bei der Rückkehr zu "normalen" Zinssätzen das ganze Verschleierungs-Kartenhaus des Mainstreams zusammenbricht. F. sollte sich fragen, warum wohl der Bund immer noch nicht zum doppischen Haushaltswesen übergegangen ist, im Gegensatz zu den Kommunen. Weil mit der Doppik der Werteverzehr schlechter zu vertuschen ist. Im Kleinen wie im Großen: Die Schulden von morgen werden heute gemacht, aber nicht so genannt, also auch nicht gezählt in der heilen Mainstream-Welt. Wechsel auf die Zukunft der kommenden Generationen. So wie Rentenbetrug und programmierte Altersarmut.

Wenn das hiesige Gebäudemanagement nur die Hälfte von dem, was nötig wäre, für die laufende Unterhaltung pro Jahr aufbringt (in jeder seriösen Kalkulation unverzichtbar), wenn statt etwa 1,5 Millionen (O-Ton Verwaltung!) nur wenige hunderttausend pro Jahr für die Straßenunterhaltung eingesetzt werden, dann wird damit Wertverlust bewusst (!) herbeigeführt. Dafür hebt die CSU-Mehrheitsgruppe im Kreistag die Hand, aber ein EJZ-Redakteur muss das kritisch beleuchten. Tut er aber nicht.

Und hört mir auf mit dem besseren Platz von DAN im Ranking der Landkreise. Die fertige Sozialraumanalyse beschreibt im Gegensatz dazu die prekäre Situation in DAN genau. Ebenso die 30 Prozent berechtigten Schüler/innen am Teilhabe-Paket, dieser unverschämten Sozial-Krücke von der Leyens.

"Zu fett" titelte vor wenigen Wochen F. seinen ebenso zusammenhanglosen Kommentar und schwor schon einmal ein auf zukünftige Spar-Streich-Programme des Landrats. Ich empfehle der EJZ das Hören (ZUSA) und den Abdruck der regelmäßigen Kommentare des Lüneburger Verdi-Chefs Peter Dillmann. Der beschreibt die Zusammenhänge.

↔Kurt Herzog, Dannenberg

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