Online: 06.01.2017 - ePaper: 07.01.2017

Nicht politisch korrekt

Betrifft: Leserbrief "Viele Wölfe illegal getötet" von Ulrike von Guretzky (EJZ vom 31. Dezember)

Der Verfasserin des Leserbriefs "Viele Wölfe illegal getötet" fehlt es leider völlig an der nötigen Empathie für die Sorgen, Ängste und Verzweiflung der Schäfer, anderer Nutztierhalter, aber auch der Anwohner der betroffenen Ortschaften. Seit der Wolf zurückgekehrt ist, werden in fast regelmäßigen Abständen Tiere gerissen, mal einzelne Schafe und Lämmer, mal wie kürzlich in Brockhöfe 20 Tiere. Im Dezember 2014 wird bei Eimke ein Kalb gerissen. Der Wolfsberater sah die Mutterkuh als die Schuldige. Diese hätte sich nicht bei ihrem Kalb befunden. In Brandenburg griff ein Wolfsrudel eine ganze Rinderherde an und riss mehrere Kälber. Weitere Kälberrisse gab es bei Cuxhaven und auch in Brandenburg, als ein Wolfsrudel eine ganze Rinderherde angriff und mehrere Kälber riss.

In Oetzendorf wurden über Nacht fünf Schafe getötet. Die Wölfe übersprangen ein 90 Zentimeter hohes Elektroknotengitter. Alles direkt am Ort. Noch während der Besitzer und die Anwohner fassungslos dastehen, taucht einer der Wölfe auf und frisst ohne Scheu an seiner Beute weiter.

Frau Guretzky irrt, wenn sie meint, dass sich in vielen europäischen Ländern die Hirten mit der Gegenwart von Wölfen arrangiert haben. Im Nationalpark Mercantour richtete in Frankreich ein Wolfsrudel in einer Nacht im Juli 2011 ein Massaker an 100 Mutterschafen und ihren Lämmern an. Ähnliche Erfahrungen machen Schäfer und Landbevölkerung in Frankreich in den Pyrenäen, den Cevennen, dem Massif Central bis in die Vogesen. Und manche haben auch Sorge um sich. Auch in Schweden gab und gibt es große Probleme, sodass der Wolf inzwischen per Quotenregelung geschossen werden darf, trotz EU-Richtlinie.

Wenn es nicht auch bei uns zu einer Regulierung der Wolfsvermehrung kommt, wird es nicht nur beim Reißen vereinzelter Schafe und Ziegen bleiben, sondern Halter und Züchter von Rindern, Pferden und Haustieren werden sich zunehmend Sorgen machen müssen. Viele Eltern fürchten sich schon jetzt um ihre Kinder, Waldtage von Kindergärten finden nicht mehr statt und Reiter und Spaziergänger meiden bestimmte Wälder.

Der Wolf in Deutschland verhält sich eben nicht wirklich politisch korrekt, wie uns das Wolfsbeauftragte und Politiker ursprünglich versprachen. Denn er bleibt nicht dem Menschen fern und scheu im Wald und verspeist nicht nur die ihm zugedachten Tiere. Inzwischen räumt auch Minister Wenzel ein, dass das Problem mit dem Wolf nicht mehr 100-prozentig in den Griff zu bekommen sei.

Der Wolf sollte daher meiner Meinung nach aus dem Anhang IV der FEH-Richtlinie als streng geschützte Art herausgenommen werden, damit rechtzeitig eine angemessene Regulierung möglich wird. Auffällige Wölfe sollten auch jetzt schon leichter zum Abschuss freigegeben werden können.

↔Vera Grage-Nickel,

↔Braudel

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