Online: 17.01.2017 - ePaper: 18.01.2017

Wie telefonieren in abgelegenen Regionen?

Betrifft: Leserbrief "Anbieteraufstellung als Alternativen" von Detlef Kober (EJZ vom 31. Dezember)

Nach meinen Informationen wird es ab Ende 2018 ausschließlich Telefonie über das Internet geben (Voice over IP). Das heißt, dass die Sprach-Verbindung von Telefon A zu Telefon B nicht mehr analog erfolgt, wie etwa, wenn Nachbar A das Fenster aufmacht und Nachbar B auch und die beiden sich etwas erzählen. Bei größeren Entfernungen kommen dann Mikrofon und Hörer auf beiden Seiten ins Spiel und eine Telefonleitung, die beide Partner verbindet. Bei der digitalen Übertragung würden die Nachbarn ein Mikrofon zu Hilfe nehmen und dazu eine kleine Elektronik, die die Mikrofonsignale in eine Folge von Nullen und Einsen übersetzt, über die Telefonleitung schickt und auf der Gegenseite wird diese Folge von Nullen und Einsen wieder in verstehbare Sprache umgesetzt (Digital/Analog-Umwandlung).

Soweit vielleicht noch verständlich, aber dann wird es schwieriger. Im Moment "spricht" das Kupferkabel, über das die Nachrichten übertragen werden, noch drei Sprachen: die direkte analoge, ISDN und schließlich - und da soll die Reise ausschließlich hingehen - Internetprotokoll (IP). Das ist für die meisten Menschen vermutlich nicht nachvollziehbar, denn in jedem Durchschnittshaushalt kommt genau ein Drahtpaar zum Einsatz. Was und wie über diese beiden Drähte ins Haus gelangt, interessiert die meisten Nutzer nicht, solange alles funktioniert.

Das muss es auch nicht, wenn man von einem kleinen Unterschied absieht: der Notfallversorgung. Im Falle eines großflächigen Stromausfalles geht gar nichts mehr. Das Telefonnetz der Telekom bringt allerdings seine eigene Stromversorgung mit. Die beiden Drähte bringen alles mit, was Mensch zum Telefonieren braucht: die Verbindung zur Außenwelt und die unabdingbare Stromversorgung. Ein Uralt-Telefon reicht aus. Selbst wenn nur noch Kerzen das Heim erleuchten, telefonieren kann man immer noch. Das ist ein Stück Sicherheit in einer überalternden Gesellschaft, das man nicht aus dem Blick verlieren sollte.

Was mir nicht klar ist: Wie telefonieren die Menschen in Zukunft, die in abgelegenen Regionen wohnen, nach Abschaltung des analogen Telefonnetzes? Sei es, dass diese kein Internet wollen oder eine Anbindung schlicht nicht (wirtschaftlich) umsetzbar ist. Mobilfunk ist auch nur sehr begrenzt möglich wegen der zahlreichen Funklöcher und eine Notversorgung ist eh nicht machbar, wenn die Akkus leer und die Funkmasten ohne Strom sind.

Es geht nicht nur um technische Probleme, sondern auch um politische. Firmen wie Telekom und Co. werden sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen immer die Rosinen aus dem Kuchen picken und versuchen, sich die Konkurrenz vom Leibe (Ausbau mit Vectoringtechnik durch die Telekom) oder die Übertragungskosten so gering wie möglich zu halten (Internetprotokoll). Das kann man ihnen nicht vorwerfen, so asozial dieses Verhalten aus Verbrauchersicht auch sein mag.

↔Arno Freihold, Vietze

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