Online: 17.01.2017 - ePaper: 18.01.2017

Connection Berlin-Leitstade

Betrifft: Artikel "Laut und bunt gegen Schließung" (EJZ vom 10. Januar)

Die geplante Schließung des traditionsreichen Waldbahnhofs Leitstade habe ich mit Unverständnis über die Kurzsichtigkeit von Verantwortlichen der (Nah)-Verkehrsplanung wahrgenommen. Als überzeugte Nutzerin des öffentlichen Personenverkehrs pendele ich seit 25 Jahren regelmäßig von Berlin nach Leitstade mit dem Ziel Wietzetze, das ich vom Bahnhof sogar fußläufig erreichen kann. Seit Übernahme der Wendlandbahn durch Erixx ist das Bahnfahren im HVV-Verbund überdies durch ein unschlagbares Tarifangebot in einem ausgedehnten Streckennetz beispielsweise bis Hamburg sehr attraktiv geworden, sodass das Leben auf dem Lande bei Bedarf durch einen problemlosen Städtetrip ohne Auto, Stau und Parkplatzkosten "urbanisiert" werden kann.

Hält man sich das gestiegene Fahrgastaufkommen in der Wendlandbahn vor Augen, wird der Gedanke an die Schließung Leitstades noch absurder. Die Anzahl der Zu- und Ausstiege ist nach meiner langjährigen Bahnerfahrung an allen kleinen Bahnhöfen tages- und saisonbedingt gleich verteilt. In Leitstade habe ich neben Einzelpersonen und Familien auch Wandergruppen, Schulklassen, Hotelgäste des Reiterhotels in Wietzetze und auch eine bunte Truppe junger Hamburgerinnen angetroffen, die einen Junggesellinnenabschied bei der Oma auf dem Lande als Kontrapunkt zur Reeperbahn gefeiert hatten. Viele dieser Fahrgäste sind nun sicher mit Großraumfahrkarten unterwegs und werden leider nicht statistisch für Leitstade erfasst. Das Argument, die Bahnfahrt auf der Strecke Dannenberg-Lüneburg unter anderem mit der Schließung Leitstades zu beschleunigen, halte ich für ein Scheinargument. Die Aufenthaltsdauer auf dem Waldbahnhof in Leitstade ist nur für Zu- und Ausstiege bemessen und verzögert die gesamte Fahrzeit kaum.

Mit Rücksicht auf Natur und Anwohner müsste eine merkliche Beschleunigung der Bahnfahrt durch Wald und Flur sowieso infrage gestellt werden. Das vorrangige Bestreben jeglicher Verkehrsplanung sollte doch die Schaffung einer ökologischen Verkehrsinfrastruktur sein, die das Recht aller auf Mobilität auch ohne Auto im Auge hat. Dazu bedarf es eines flächendeckenden Ausbaus des ÖPNV, wozu der Erhalt kleiner Bahnhöfe wie Leitstade unabdingbar ist. Da die Erkenntnis, dass Mobilität "unverzichtbar für Arbeitsplätze und Wohlstand sowie für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben im ländlichen Raum" und dies "unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte" auch im Wahlprogramm von Hitzackers Bürgermeister Holger Mertins (FDP) zu finden ist, bleibe ich zuversichtlich, dass er mit einem lauten "Leitstade muss bleiben!" die Landesverkehrsgesellschaft vom Erhalt des Waldbahnhofs in Leitstade mit guten Argumenten überzeugen wird.

↔Doris Müller-Bacon, Berlin

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