Online: 30.01.2017 - ePaper: 31.01.2017

"Windkraft ist nicht ökologisch"

Betrifft: "Viel Wind um Wald" und "Bitten statt klagen" (EJZ vom 21. Januar)

Kapern, 19. Januar. Es war fast wie eine Episode aus dem Buch des Försters und Schriftstellers Peter Wohlleben. Es tritt auf als Beratergremium der Betreiberseite: die Windkraftlobby, die sich mit der Verwaltungsentscheidung nicht einverstanden zeigt, dass der Wald in Lüchow-Dannenberg für Windkraftanlagen (WKA) nicht zur Verfügung steht. Es fragen und hören zu: die Ausschuss- und Ratsmitglieder und die Bevölkerung.

Hauptthema wird schnell: Geld. Immense Summen, die da winken. Bei klammen Gemeinden ist es verständlich, dass hier die Ohren aufgehen. Ab 200000 Euro aufwärts. Jedes Jahr. Nicht fällt auf, dass Summen immer in einem Kann-Satz geäußert werden: Es können bis zu 350000 Euro werden, vielleicht noch mehr; 'ne Million Euro. Auch nicht fällt auf, dass die Herren von der windigen Lobby auf jede Frage eine beschwichtigende Antwort parat haben. Nein, Bedenken braucht man nicht zu haben. Die Fledermäuse fliegen nicht in diesen Höhen; eher unterhalb der rotierenden Flügel: Wissenschaftlich ist erwiesen...; man weiß mittlerweile, dass...; wir haben hochmoderne Anlagen, welche... Geschliffene Sätze, alles absolut perfekt.

Dazu ein paar Passagen aus "Der Wald" (2013): "[...] Aber gibt es überhaupt größere Schäden zwischen den Bäumen? Auch hier wussten die Herren zu beschwichtigen. Lediglich rund 5000 Quadratmeter Fläche gingen dauerhaft verloren. Das sei doch wirklich nicht zu viel. Sie verschweigen, dass zum Aufbau der 200-Meter-Ungetüme die doppelte bis dreifache Fläche abgeholzt werden muss, damit große Kräne die Türme aufstellen können. Und das ist noch nicht alles. Normale, etwa fünf Meter breite Waldstraßen reichen nicht aus, damit die Transportfahrzeuge die Anlage zum Standort bringen können. [...] Mit dem Antransport der Windräder steigt die Belastung um das Zweieinhalbfache. Die Turmbauteile sind wahre Schwergewichte und lassen das Gewicht der Transportfahrzeuge auf über 100 Tonnen ansteigen. Da müssen dann regelrechte Waldautobahnen gebaut werden ..." (S. 223-230)

Ärgerlich war: Der Windlobby räumte man substanziellen Raum ein, ihre Interessen akribisch darzustellen. Für Beiträge aus der Bevölkerung blieb relativ wenig Zeit. Die Möglichkeit, dass den Entscheidern im Ausschuss und im SG-Rat die Gelegenheit gegeben werden sollte, eine ebenso substanzielle Darstellung der Gegenposition kennenzulernen, die aus Umweltgründen die Waldoption ablehnt, schien man nicht in Betracht gezogen zu haben. Erfreulich war: Gegen Ende hin betonten zwei Ratsfrauen, dass für sie ein Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt zu früh sei: Die Diskussion habe doch gerade erst begonnen. Vielleicht ist es in Gartow doch nicht so, dass schon alles vorentschieden ist? Eins ist klar: Die Waldoption ist höchst umstritten, sogar bis in die Grünen-Partei hinein. Wie sagte doch einst der Umweltschützer Horst Stern: "Windkraft ist nicht ökologisch."

↔Dr. Thomas Krauß,

↔Schnackenburg

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