Online: 06.02.2017 - ePaper: 07.02.2017

Weder Vater noch Mutter können entscheiden

Betrifft: EJZ-Artikel "EJK: Nein zu Abtreibung" (EJZ vom 4. Februar)

Mein großer Respekt vor der Entscheidung des EJK-Gynäkologen und der Klinikleitung. Und ich weiß schon, wie die Kritiker dieser Entscheidung argumentieren werden: Mit Selbstbestimmung der Frau versus Patriarchat, mit Beschimpfungen religiöser Motive, mit Verweisen auf alttestamentliche Bibelstellen, mit Äußerungen über die vielen nicht abzustreitenden Verfehlungen der christlichen Kirchen in der Geschichte - und sicher wird auch der Name Trump fallen. Manche Kritik wird in der Begründung Nägel auf Köpfe treffen und bestätigen, dass Religionen und vor allem auch unser christlicher Glaube sich nicht immer mit Ruhm bekleckern.

Und trotzdem: Mein Respekt vor dieser Entscheidung. In einer Zeit, in der es üblich geworden ist, dass die einen Menschen über das Leben und das Schicksal der anderen entscheiden. Wo Menschen abgewiesen werden, die ihre Heimat verlassen, weil sie leben wollen. Wo Mauern geplant werden, die verhindern sollen, dass Menschen sich außerhalb der Kontrolle anderer bewegen.

Endlich eine Entscheidung, die solchen lebensverachtenden Strömungen entgegensteht. Leben ermöglichen statt verhindern. An vielen anderen Stellen in unserer Zeit und Gesellschaft setzten sich Menschen genau dafür ein. Solche, die Geflüchteten ein neues Leben ermöglichen. Solche, die sich für den Naturschutz engagieren und selbst kleinste Lebewesen schützen, indem sie Vogelnester retten oder wandernde Frösche von Straßen entfernen. Solche, die in der Hospizarbeit sich ehrenamtlich engagieren, damit ein Leben bis zum Schluss lebenswert bleibt. Und hier nun ein Arzt, der sich dafür entscheidet, so zu arbeiten, dass ein schon begonnenes Leben einen lebenswerten Anfang haben kann.

Und seine Begründung ist differenziert. Es geht um hilf- und wehrloses Leben an erster Stelle - und, so leid es mir tut, eben zunächst einmal nicht grundsätzlich um die Entscheidung der werdenden Mütter. Der Verweis auf Verhütungsmöglichkeiten hat seine Berechtigung. Und die grundsätzliche Bereitschaft zur Einzelfallentscheidung bei tatsächlich lebensgefährlichen Umständen für die Mutter oder nach einer Vergewaltigung darf dabei nicht übersehen werden.

Die Entscheidung aber, ob ein Leben entstehen soll, liegt weder bei Vater und Mutter, sondern an anderer (für mich höherer, für andere zumindest unbekannter) Stelle. Und darum können auch weder Vater noch Mutter darüber entscheiden, dass ein Leben beendet werden soll. Denn jede Abtreibung heißt: Ein Leben wird beendet. Ich spreche mich absolut dafür aus, dass betroffene Frauen ein uneingeschränktes Recht auf soziale und ärztliche Hilfestellung, Beratung, Begleitung haben und diese auch selbstverständlich vorhanden sein sollen. Aber dass dies immer nur das Ziel der Abtreibung haben muss, kann ich nicht nachvollziehen. Und auch das Thema Selbstbestimmung ist hier äußerst begrenzt, weil bei einer Entscheidung für eine Abtreibung eben nicht nur für ein, sondern immer mindestens für zwei Menschenleben entschieden wird.

↔Michael Ketzenberg,

↔Breselenz

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